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OUR SURVIVAL DEPENDS ON US - Melting The Ice In...

...The Hearts Of Men

VÖ: 08. Februar 2019
Ván Records

Zugegebenermaßen: "Wir sind keine Band, sondern ein Künstler-Kollektiv" ist einer dieser Sprüche. Er klingt extrem abgehoben und pathetisch, wenn es aber einmal wirklich zutrifft, ist es cool. Our Survival Depends On Us kommen dem zumindest nahe. Denn zumindest sind Gastbeiträge auf den Scheiben der Österreicher eher die Normalität. Auch auf "Melting The Ice In The Hearts Of Men" hören wir das Handwerk von Musikern aus Bands wie Primordial und Triptykon.
Auf "Melting The Ice In The Hearts Of Men" erwarten uns vier Songs, die alle die 10-Minuten-Grenze sprengen. Dieses Konzept, kombiniert mit dem guten Händchen von Ván Records für echte Besonderheiten, heben die Erwartungen gewaltig. Auch der Vorgänger war eine Naturgewalt. Zuerst einmal ist festzustellen: Beim ersten Durchhören klingt die Platte für Außenstehende, als wären Our Survival Depends On Us ihrem Sound grundsätzlich treu geblieben. Oft episch, mal ein wenig matschiger, mit Hang zu hypnotisierenden Riffs, die den Hörer in Wellen immer mehr für sich gewinnt.
Der Opener "Galahad" zieht sich ein wenig mehr, als es den meisten lieb sein wird. Die ersten sieben Minuten des Songs sind gut und gerne als Intro zu bewerten. Aber das sind Our Survival Depends On Us. Nicht freundlich für die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches, nicht seicht oder leicht zu konsumieren. Das Riff und die an einen jungenhafteren Kirk Weinstein erinnernde Stimme plätschert dahin, allerdings mit einem herrlich abgemischten, stampfenden Schlagzeug. Auch der Länge nach ist das Stück am Ende gut abgeschnitten, der Übergang zu "Gold And Silver" ist perfekt. "Gold And Silver" ist ambientisch und nachdenklich und bäumt sich im letzten Drittel zu einem Post-Metal-irgendwas-Monster auf, in dem Sänger Barth (übrigens Ex-Belphegor) - ich kann mir einfach nicht helfen - noch mehr nach Weinstein klingt. Die wabernden Riffs sind wirklich ein Ohr wert, Our Survival Depends On Us sind eigentlich nicht im herkömmlichen Sinne heavy oder doomig, sondern einfach "breit". "Song Of The Lower Class" ist wohl am ehesten doomig und führt die unglaublich traurige Atmosphäre des Albums weiter. Insgesamt kommt keiner der vier Songs mit einer auch nur ansatzweise normalen Songstruktur aus, alle Songs sind mit unzähligen Wechseln, Ambient-Momenten und Klimper-Parts versetzt, die aber trotzdem ein Gesamtbild geben. Eine erstaunliche Leistung. Dem tut es auch der Rausschmeißer "Sky Burial" gleich, der beide Hauptelemente der Band, also das schaurig-ambiente Schimmern und die treibenden, "breiten" Riffs mit dem tollen Schlagzeug, auf die Spitze treibt. Insgesamt findet sich das Element des "Aufbruchs" nach oben in allen Songs wieder, also ein langsames, dunkles Treiben, das irgendwann durch einen starken, polterigen Bruch eskaliert.
Die Art und Weise, wie die Salzburger das alles mischen, die dunklen, zerrenden Riffs, diese natürliche Atmosphäre, die Naturverbundenheit in den Lyrics - es ist auf einem hohen Niveau. Würde man wirklich versuchen, Künstler und Musiker zu unterscheiden, wären Our Survival Depends On Us Künstler, in der Tat. Zeit und Emotionen sind in "Melting The Ice In The Hearts Of Men" geflossen, das kauft man den Jungs ohne mit der Wimper zu zucken ab. (jh)

9/10