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PAGAN ALTAR - The Room Of Shadows

VÖ: 24. August 2017
Temple Of Mystery Records

Meine geneigten Musikliebhaber, verehrte Leser. Neigen Sie das Haupthaar leicht zu Boden und kleiden sie sich in unbequeme Kleidung. Wir stehen an einem Totenbett. "The Room Of Shadows" markiert das Ende von Pagan Altar, und das wahrscheinlich in der Tat für immer. Frontmann Terry Jones hat den Kampf gegen die Bestie Krebs verloren. Und das macht dieses Album umso mysteriöser, denn obwohl Jones schon zwei Jahre verstorben ist, sind die Gesangsspuren noch original von ihm eingesungen. Insgesamt hat die Schaffensphase dieses Albums 13 Jahre gedauert. Pagan Altar schauen zurück auf eine fast 40jährige Bandgeschichte mit neun Veröffentlichungen. Wie klingt also ihr letztes Werk? Nun, "The Room Of Shadows" ist vor allem eines: Proto-Doomig. Schon im Opener hat der Hörer den Eindruck, Jones singt nicht, sondern predigt okkulte Weisheiten von einer entstellen Kanzel. Das folgende "The Portray Of Dorian Gray" stampft in mittlerem Tempo unaufhaltsam voran und in Jones' Stimme schwingt gar ein wenig Blue Ösyter Cult mit. Zugegeben, das Solo ist ein wenig unkreativ, es scheint mehr seinen Zweck als Solo erfüllen zu wollen, ansonsten ist dieser Song eine perfekte Synergie aus Proto-Doom und NWoBHM. Wow! Auf "Dance Of The Vampires" verzetteln sich die Jungs ein wenig im sehr verschwurbelten Songwriting, aber das kann man auch gerade mögen. "Dance Of The Vampires" klingt ein wenig nach einer zu progressiven Version neuerer Candlemass-Stücke. Wie gesagt, für manche mag diese Beschreibung auch herrlich klingen. Der Tanz bleibt aber wirklich der einzige Song, wo ernsthaft Kritik findbar ist, denn der folgende Titelsong "The Room Of Shadows" entpuppt sich als atmosphärisches Meisterwerk, das von einem wunderschönen, langen Klimperpart ab 02:40 min. in eine nostalgische retro-NWoBHM-Hymne übergeht. Dabei ist auch der Drummer (oder wer immer die Drums geschrieben hat) einmal ausdrücklich hervorzuheben, denn die spielen hier mehr als nur den Rhythmus, sie bauen den ganzen Song mit auf. Nochmal: Wer unter der diffusen Bezeichnung "New Wave of British Heavy Metal", Iron Maiden, Tank, Satan oder Raven versteht, wird hier eventuell vor den Kopf gestoßen, denn Pagan Altar sind (wie eh und je) sehr okkult, doomig und rockig. Das sei hier nochmals erwähnt, da der Bekanntheitsgrad von Pagan Altar stets hinter ihrer Brillianz zurückgeblieben ist. Auch "The Ripper", der eigentlich der letzte klassische, komplette Song auf der Platte ist, ist zwar mit typischen Riffs des NWoBHM-Genres gespickt, wirkt aber viel tragender und hat eine andere Atmosphäre, als die meisten Bands des Genres. "After Forever" ist ein würdiger Abschiedssong für eine Band, die nie den Weg zu den Major-Labels gefunden hat - und vielleicht deswegen so klingt, wie sie jetzt klingt. "The Room Of Shadows" ist ein korrumpierter Bastard aus späteren Candlemass, Witchfinder General und Diamond Head. Aber ein verdammt guter. (jh)

9/10