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PARADOX - Pangea

VÖ: 03. Juni 2016
AFM Records

A story …
4 Uhr aufstehen, 14 Uhr Feierabend, abends Konzert, eine Stunde Schlaf, 4 Uhr aufstehen, 12 Uhr Feierabend, abends ausgelaugt auf dem Sofa, die Frau schläft schon und im TV nur Dreck. Dann der Gedanke: "Nur den Opener der neuen Paradox hören und dann glücklich ins Bett gehen.". Fünf Songs vergehen, bis die Frau mit den Worten "gehen wir jetzt ins Bett?" hoch schaut. Ja, gehen wir …
Wozu der ganze Quark? Merke: ihr könnt noch so k.o. sein - die neue Paradox-Scheibe haut euch immer wieder aus den Socken! Charly Steinhauer - mit runderneuerter Mannschaft - legt im 30. Jahr der Bandgeschichte ein Album vor, mit dem er abermals unterstreicht, dass er zu den am meisten unterbewertetsten und unbeachtetsten Musikern überhaupt in good old Germany gehört. Wäre die Welt gerecht, würden wir alle Paradox hören - aber das steht auf einem anderen Blatt (und in meinem Review zum Vorgänger "Tales Of The Weird"). Ich bin einfach glücklich, dass Charly seine Gesundheit wieder vollends im Griff und in den letzten anderthalb Jahren wahrscheinlich Blut und Wasser geschwitzt hat, um diesen Hammer zu stemmen. Jeder (ja, jeder!!) Song ist ein Thrash-Volltreffer der allerersten Garde. Unmöglich, hier einen Vorzeigetrack zu selektieren. Die Gitarrenarbeit ist wie immer vom Feinsten - filigran, clever und dabei immer frontal aggressiv. Sogar Charly's Vocals (von vielen gerne als Schwachstelle betitelt) sind wie eh und je, nämlich genau passend und sogar auch nach 30 Jahren ausbaufähig, wenn ich mir die hohen Schlenker im fiesen "Alien Godz" so anhöre. Auffällig ist auch die Grundstimmung. "Pangea" (googelt nach "Pangaea") als letzter Superkontinent und Startschuss für die zig Möglichkeiten (megageil - "The Raging Planet"), wie die menschliche Existenz irgendwann ein Ende finden könnte. Diese spürbare Finalität und auch Unvermeidbarkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die zehn Songs und beinhaltet gleichzeitig den verzweifelten Willen, die Welt und sich selbst nicht aufgeben zu wollen. Womit wir wieder bei der Musik wären, denn Charly hat 30 Jahre nach Bandgründung auch nie aufgegeben - ja, sogar das Original Line Up von "Product Of Imagination" (1987) vereint, um die Backing Vocals zu schmettern.
Ein Fazit brauchen wir also nicht. Aber ich kann mich gerade nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so dermaßen fette neun Punkte verteilt habe!! (sw)

9/10