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PHARAOH - After The Fire (Vinyl Re-Release)

VÖ: 31. August 2018
Cruz Del Sur Music

Als das Pharaoh-Debüt "After The Fire" am 10. April 2003 das Licht der Welt erblickte, glaube ich, dass sich noch keiner so richtig darüber im Klaren war, welchen Stellenwert es in mehrerlei Hinsicht haben wird, obwohl es nicht einmal der absolute Überflieger ist. Na ja, es ist aber mindestens verdammt großartig. Die US Truppe um Tausendsassa Chris Black (u.a. High Spirits, Dawnbringer, Professor Black) liefert hier ein Debüt ab, welches sich an US Fans richtet, aber auch sehr oft die Iron Maiden-Fraktion anspricht, ohne dabei zu irgendeiner Zeit aufgesetzt, blind huldigend oder Copycat-mäßig zu klingen. Diese Band startete von Anfang an mit einem eigenständigen Sound, großartigem Songwriting und einer ergebenen Verbundenheit zum Genre Heavy Metal, aus der sich später auch Hits entwickelten (man denke nur an das überirdische "By The Night Sky" vom Nachfolger "The Longest Night"). Spannend finde ich in der Retrospektive, dass unser aller Chris Black gar nicht alleinverantwortlich für diese Qualität ist (wie bei seinen anderen genannten Bands), sondern auch seine Sidekicks Matt Johnson (Gitarre), Chris Kerns (Bass) und Tim Aymar (Gesang). Die Hälfte der Songs kommen laut Credits ohne Blacks Zutun aus und die Bandbreite zwischen dem flotten Titelsong, "Flash Of The Dark" (erinnert die Lead-Gitarre im Chorus vielleicht an spätere High Spirits?), dem knackig-stampfenden Galopper "Heart Of The Enemy" oder dem mit melancholischem Unterton versehenen "Never, Not Again" könnte nicht geiler sein. Im Endeffekt ist jeder Song schon ein Rohdiamant für sich. Und im Zusammenhang mit dem Nachfolgewerk war es auch an der Zeit, dass Pharaoh im Jahr 2008 endlich mal die Keep It True Bühne bestiegen. Es wäre aber gerne wieder Zeit dafür …
Jetzt noch mal der Stellenwert. Spricht man heutzutage von der NWOTHM (New Wave Of Traditional Heavy Metal), die speziell in den USA mit Bands wie Night Demon, Visigoth, Eternal Champion, usw., einen amtlichen Höhenflug erlebt, so dürfte man dieses 15 Jahre alte Album eigentlich als "unerkannten" Startschuss benennen. Nebenbei war es auch die erste Veröffentlichung für das italienische Label Cruz Del Sur Music, welches bis heute mit vielen erlesenen Releases glänzt (z.B. Crescent Shield in 2007 oder Gatekeeper in diesem Jahr). Da darf man dieser Musik zum 15. Geburtstag auch wirklich mal das Medium spendieren, wo sie auch hingehört - endlich auf Vinyl!
Und in eigener Sache darf ich unserem allerorts geschätzten Chuck Schuldiner (R.I.P.) dafür danken, dass ich Pharaoh kennen lernen durfte. Sänger Tim Aymar sang schließlich bereits 1999 auf dem Control Denied-Album "The Fragile Art Of Existence". Klar, dass ich wissen wollte, was der Typ sonst noch so treibt. Der Rest ist Geschichte … (sw)

8,5/10