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RAGE - 21

VÖ: 24. Februar 2012
Nuclear Blast

Schon faszinierend, wie ein einzelner Musiker die Hörgewohnheiten verändern kann. Ich selbst bin erst seit dem 2002er Album "Unity" ein riesiger Rage-Fan geworden. Den Löwenanteil daran hat Saitenhexer Victor Smolski, dessen perfekt ausbalancierter "aggressiven Virtuosität" ich stundenlang beiwohnen könnte. Und auch jede Note, die Smolski auf dem neuen Rage-Output anschlägt, enthält genau die Portion an Feeling, die sie im Songkontext benötigt. Ein wahrer Künstler. Aus der Sicht eines Gitarristen kommt "21" also einmal mehr einem Besuch im Schlaraffenland gleich. Trotzdem war ein Rage Album mit ihm nie ein Egotrip. Und dieses Mal hat sich das Trio um Szene-Original Peavy wieder auf seine Trio-Qualitäten besonnen, das Lingua Mortis Orchester außen vor gelassen und sich auf schlichtweg knackige Songs konzentriert, derer zehn mit Ausnahme des nach vorne preschenden "Concrete Wall" trotzdem alle über der 5- bzw. 6-Minuten-Marke liegen. Der Titelsong startet nach dem Intro etwas mystisch, dann ungewöhnlich hart und hat gleich einen dieser berühmten Rage-Refrains parat. Ein Start nach Maß, der sofort durch "Forever Dead" als zukünftigem Live-Hit verstärkt wird. Hier hören wir auch zum ersten Mal Peavy stimmlich im ungewohnten Death Metal-Terrain, was ihm a) erstaunlich gut zu Gesicht steht und b) bei "Serial Killer" sogar etwas vertieft wird. Kleine Experimente erhalten die Freundschaft und ich glaube nicht, dass sich Rage-Fans daran reell stören werden. Ein leichter Anstieg der Grundhärte auf gesamter Linie ist eh zu verzeichnen. Als hätten die Drei richtig Bock gehabt, mal ohne klassische Vorgaben die Wände ihres Proberaums zu testen. In diesem spürbaren Einheitsgefühl hat auch Drummer André Hilgers zeitweilen echt die Leinen los und überrascht mit ein paar starken Kabinettstückchen.
Viele Worte für ein Album, welches man sich als Rage-Fan eh blind in den Schrank stellt. Denn man weiß, dass Peavy & Co. immer "einsilbig" veröffentlicht haben - erstklassig! (sw)

8,5/10