Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials

RAVEN - Screaming Murder Death From Above

Live in Aalborg

VÖ: 18. Januar 2019
Steamhammer

Raven aus aus Newcastle sind wohl einer der unterbewertesten Bands der damaligen Welle britischer Metalbands. Das legendäre "Rock Until You Drop" kam 1981 zwar etwas zu früh, gilt aber als stilbildend und Pionier-Album für die gesamten Metal-80er-Jahre. Danach konnte die Band auf dem 80er-Hype nicht gut mitsurfen und ging zwischen den Genre-Größen ein wenig unter. Dabei war das Potential unfassbar: Mit den neuen Alben "Wiped Out" und "All for One" im Gepäck, tourte Raven als Headliner durch die USA, die Vorbands: die damals noch sehr jungen Metallica und Anthrax. Dann passierte, was nur zu oft passiert: Raven unterschrieben einen Major-Vertrag bei Atlantic Records, weichten ihren Sound auf und verschwanden mehr und mehr in der zweiten Liga. Heute touren die Raben mit Saxon und Dirkschneider - wohlgemerkt als Vorband. Ein bisschen erinnert die Story an Anvil, oder?
Dabei ist "Screaming Murder Death From Above - Live in Aalborg" nur ein weiterer Beweis für die unglaubliche Energie, die die Band noch nach 40+ Jahren ausstrahlt. Raven spielen mit jeder Faser ihres Körper, wie eine wilde Kreuzung aus Tank (UK), frühen Satan und Iron Maiden. Man mag darüber nachdenken und psychologisieren, aber ich glaube, ein Teil der Magie kommt vom Umstand, dass die Live-Platte ohne Vorwissen der Band selbst entstand. Ja, dieser Live-Mitschnitt geschah heimlich. Die Band wurde erst im Nachhinein darüber informiert. Vielleicht sollte man das öfter so machen, denn so hört man die Band am rohsten, schönsten, natürlichsten. Aber von vorne. Das Album enthält Songs aus allen möglichen Schaffensphasen der Band und ist damit auch eine gute Einstiegsdroge für alle, die mal reinhören wollten, aber nicht so recht wussten, womit sie bei Raven anfangen sollen. Tracks wie "Faster Than The Speed Of Light", "Break The Chain" und "Crash, Bang, Wallop" sind genau so, wie 80er-British-Metal klingen muss: mit einem völligen ausgerasteten Drummer, diesem "knorpeligen" Bass, Mitsing-Refrain und einem Lead-Gitarristen (Mark Gallagher), der niemals die Anerkennung erhalten wird, die er verdient. "Hell Patrol" aus dem Jahre 1981 reißt alles ab, wird aber leider selten live gespielt. "Rock Until You Drop" muss nicht erwähnt werden, es ist Teil jedes Sets und der größte "Hit" der britischen Raben. Mit "A.A.N.S.M.M.G.N." enthält die Platte auch einen Track mit einer der Top20-Lead-Gitarrenarbeit im Bereich NWoBHM - das würden jedenfalls einige von euch sagen. Die Anderen würden sagen: was soll das langweilige Rumgefidel? "A.A.N.S.M.M.G.N." ist ein Song für Gitarristen oder Liebhaber psychedelischer Gitarrenarbeit, der Track verdient Respekt und zeichnet Mark Gallagher aus. Es ist aber ein wenig wie mit den architektonisch wertvollen Gebäuden: andere Architekten sehen, was es sein soll, wofür es stehen soll, die meisten sehen eben nur ein Gebäude.
Insgesamt ist es eine wundervolle Live-Platte, gerade, weil es durch die heimliche, nicht abgesprochene Aufnahme gar nicht authentischer geht. Hut ab vor dieser Reise durch die Bandgeschichte und diese Begeisterung für Musik nach über vier Jahrzehnten. (jh)

7/10