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SANTA CRUZ - Santa Cruz

VÖ: 06. März 2015
Spinefarm Records

Santa Cruz stehen für ein Revival der 80er Glam Metal-Szene, wie es im Buche steht. Ihr Debütalbum "Screaming For Adrenaline" aus dem Jahre 2013 ist eine Hommage an alte Zeiten und auch optisch könnten die Jungs direkt vom Sunsetstrip kommen. Doch wer sich eine exakte Fortführung dieses Stils gewünscht hat, wird sich bei "Santa Cruz" verdutzt die Augen reiben. Die Band hat sich weiterentwickelt, ihren eigenen Stil gefunden. Dieser vermischt die klassischen Elemente mit beeindruckend filigraner Gitarrenarbeit, modernsten Riffs und einer "State of the Art"-Produktion.
Genretechnisch fällt eine Einordnung der Band dadurch eher schwer, ein Vergleich mit anderen Bands ist nahezu unmöglich. Eingängige Refrains, Gangvocals bis zum Abwinken, Gitarreneffekte ohne Ende und das alles gepaart mit Riffs, die an modernen Thrash Metal erinnern. Besonders die Vocals und Singalongs werden dabei derart auf die Spitze getrieben, dass es so manchem vermutlich eine Spur zu weit geht - alle anderen werden sofort mitgerissen. Die Songs sind herrlich eingängig, fast poppig und sorgen für gute Laune.
Sinnbildlich für das Feeling des Albums ist der Opener "Bonafide Heroes". Beginnend mit einem fast elektronisch klingendem, ruhigen Teil, wird man im nächsten Moment von einem schrillen Schrei von Sänger Archie Cruz und einem darauffolgenden Monster von Riff weggeblasen - das ist schon fast zu heavy für Hard Rock, aber einfach geil. Durch die Strophe zieht sich das Riff wie ein roter Faden, ehe es dann in einen ruhigen, langsamen Refrain übergeht, in dem ein Chor von Backingvocals einsetzt. Wer hier nicht spätestens beim zweiten Hören mitsingen will, der ist definitiv falsch. Danach liefert das Album einen Brecher nach dem Anderen und man sucht, bis auf das epische "Can You Fell The Rain", vergebens nach den ebenfalls genretypischen Balladen. Besonders hervorzuheben sind hier die Singleauskopplungen "Wasted & Wounded","‘We Are The Ones To Fall" und "6 (66) Feet Under".
Auch lyrisch sind Santa Cruz reifer geworden. Zwar finden sich hier und da noch ein typisches "F**k2, "Motherf**ker" oder irgendein Synonym für's betrunken sein, doch insgesamt wird das ganze Party-Thema nicht mehr so offensichtlich angegangen und man kann über die Texte auch mal länger als zwei Minuten nachdenken, was beim ersten Album der Band eher nicht der Fall war. Abgerundet wird das Ganze von einer Mischung aus intelligentem Songwriting und experimentierfreudiger Produktion, die das Zuhören über die volle Distanz spannend machen und kleine Aufhänger liefern, die einen hier und da zum Schmunzeln bringen.
Das Sahnehäubchen des Albums ist dabei die nicht oft genug zu erwähnende Gitarrenarbeit von Sänger und Frontsau Archie und Lead-Gitarrist Johnny. Neben den kreativen und effektbeladenen Teilen der Songs und den brachialen Riffs, schmeißen sich die beiden einen Haufen melodischer und virtuoser Soli zu, bei denen jeder Gitarrist ins Staunen gerät. Vielerorts wird das Album sicher kritisch beäugt, da die Songs insgesamt doch recht aufpoliert und weichgespült sind, aber gerade das macht den Stil der Band aus und sie vergessen dabei nie ihre Heavy-Wurzeln. Wie oft kommt es denn heutzutage schon vor, dass eine Band bei ihrem zweiten Album einen so besonderen und einzigartigen Sound abliefert? Insgesamt bleibt nur zu sagen: Grandios - man darf gespannt sein, zu was es die Band bringen wird und wie sie sich weiter entwickelt. (xz)

9/10