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SAOR - Forgotten Paths

VÖ: 15. Februar 2019
Avantgarde Music

Angepriesen als Brückenbauer zwischen atmosphärischem Black Metal, Celtic Folk und traditionellen schottischen Klängen. Klischee-Denken von Fellträgern, Fiedelgniedel und sonstigem Gedöns setzt ein und dann … bäm! Ohne Vorwarnung und ohne Intro knallt der Titelsong mindestens im fünften Gang los, unterlegt mit einer schwarz-grünen (metallisch, nicht politisch) Harmonie, in die man sich reinlegen möchte. Wow, Überrumpelung deluxe! Auf dem mittlerweile vierten Longplayer seit 2013 zaubert uns Andy Marshall (ex-Falloch) ein recht stimmiges Landschaftsbild von Highlands, Küsten mit kräftigem Seegang, Geschichten aus vergangenen Tagen, Besinnlichkeit, angereichert durch einige Flöten- und Violinentöne, denen man höchstens vorwerfen kann, dem Hirn zu schnell "Braveheart" rufen zu lassen. Drei Longtracks jenseits der 10 Minuten-Marke und ein abschließendes Akustikstück und du warst knapp 39 Minuten in einer anderen Welt. Was gefällt, ist die Abwesenheit von triefendem Kitsch, die nötige Härte in den entsprechenden Passagen (inklusive der fast wahllos gebellten Vocals) und Melodien, die Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lassen können. Zugegeben, der eine oder andere Übergang zwischen laut und leise hätte etwas geschmeidiger ausfallen können und Andy wird wohl auch wissen, dass man soundtechnisch Abstriche machen muss, wenn man alles allein macht, aber ein Album wie "Forgotten Paths" ist mir immer noch um Längen lieber als das, was mir mein Klischee-Denken anfangs eintrichtern wollte. (sw)

8/10