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SATAN'S SATYRS - Don't Deliever Us

VÖ: 30. Oktober 2015
Bad Omen Records

Ach, liebe Satyrs, was mache ich bloß mit euch? Ich erinnere mich, wie ich das erste Mal von euch las, auf der Running Order meines damaligen Lieblingsfestivals. Ich hörte brav euer Demo an und war begeistert! Ich fühlte mich an eine frische, psychedelische Kreuzung von Hellhammer und Motörhead erinnert. Mit entsprechend hohen Erwartungen stand ich vor der Bühne.
Doch was tat Clayton da am Mikrofon? Ich war die ersten Momente felsenfest davon überzeugt, eine Parodie zu hören. Ein Blick zu meinem Nebenmann bestätigte mir, dass ich nicht als einziger eine Mischung aus Verwirrung und Belustigung verspürte. Während der Gig fortschritt, gewöhnte ich mich an den mir völlig unbekannten Gesangsstil. Letztendlich ist mir die Show sehr gut in Erinnerung geblieben. Wochen später hörte ich mir die aktuelle EP "Lucifer Lives" an. Und sie klang in der Tat, wie die Satyrs auf der Bühne (aber keineswegs wie das Demo). Der Gesangstil von Clayton, wie er ab der EP 2010 zu hören ist, macht einen großen Teil des Stils der Band aus, dennoch werde ich persönlich immer daran erinnert, wie ich mit der Demo im Ohr die ersten Töne des damaligen Gigs erlebte. Diese Anekdote ist vielleicht wichtig, um das Verhältnis des Rezensenten zur Band zu verstehen und zu begreifen, warum dieses Review ein paar Zeilen länger wird.
Die uns hier vorliegende Platte, "Don't Deliver Us", ist die dritte Full-length der Band und sie wird Fans der früheren Tage, selbst die, die nur die Alben, nicht die EPs und das Demo kennen, verwundern. "Don't Deliver Us" ist sauberer, rockiger, bluesiger, beinahe progressiver. Während die ersten beiden Alben, "Die Screaming" und "Wild Beyond Belief", in einem (sehr intensiven) Chaos aus Geschwindigkeit und irrer Angriffslust rotierten, liegt hier ein Werk vor, welches viel mehr Wert auf Songwriting und weniger auf Anarchie legt. Der Opener "Full Moon And Empty Veins" legt als einer der seltsamsten Tracks des Albums vor, ein Keyboard, das Assoziationen mit Zirkusatmosphäre weckt, betont das auch sonst sperrige Stück und abermals wundert man sich, was diese Band eigentlich ist, macht und sein will.
Man kann sie auf diesem Album getrost als "Creepy Teenie Psychedelic Rock" bezeichnen, denn irgendwie muss man bei Claytons Stimme und der völlig positiv-seltsamen, einzigartigen Atmosphäre, an gemobbte Außenseiter einer amerikanischen Highschool denken, die verkleidet Rache an ihren Peinigern nehmen. Explizite Elemente die man als "Doom" oder auch nur "Metal" bezeichnen könnte, abgesehen von einigen Solos, sind nicht mehr zu finden. Die Songs, z.B. "Germanium Bomb" sind beinahe tanzbar, wären sie nicht so ... seltsam? Wer nun immer noch gar keine Ahnung hat, wie dieses Album klingt, keine Angst: Alleine aufgrund der Eigenartigkeit, der "Wunderlichkeit", sollte man reinhören. Es ist herrlich groovig, der Song "Spooky Nuisance" ist beinahe klassischer Blues. Hat man sich an die Stimme gewöhnt, wird das Album zu etwas, was einen an den eigenen, ganz seltsamen guten Nerd-Kumpel aus Kindheitstagen erinnert: Man hat immer viel Spaß zusammen, aber irgendwie ist er so eigenartig, dass man ihn keinem anderen vorstellen will, nicht, weil man sich schämt, sondern weil man (zu Recht) befürchtet, er würde einfach nicht verstanden werden. (jh)

8/10