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SATIN BLACK - Martyr's Paradise (EP)

VÖ: 01. April 2010

Ein ca. zwei Monate junges Demo erreichte mich aus dem sächsischen Freiberg. Und eins vorweg - lasst euch nicht vom Bandnamen täuschen. Das Einzige, was eventuell im Ansatz zu "schwarzem Satin" passt, ist der leicht melancholische Unterton, den ich seit dem ersten Blind Guardian-Output nicht mehr vernommen habe. Eine Referenz? Mitnichten. Was Satin Black auf diesem Viertracker vollführen, ist eine Reminiszenz an die glorreichen Metaltage der 80er mit der Ambition, Eigenständigkeit zu zeigen, und nicht in den Kitsch abzudriften. Und es klappt. Beim eröffnenden Titelsong frage ich mich, ob Fates Warning so geklungen hätten, wenn sie nie mit Prog angefangen wären. Schöne doppelläufige Melodien, treffsichere Riffs und mit Stephan Dietrich einen angenehmen und verdammt interessanten Sänger mit mächtig Potential. Das folgende "Exit: Night" lehnt sich ein wenig in Richtung Iron Maiden und hat mit seinem "Hey, hey"-Part auch schon das einzige No-Go der CD verbraten (zumindest auf Konserve). Trotzdem ein weiterer toller Song, der mit einem starken Solo versehen ist. "Where Autumn Leaves Fall" ist dann eine richtig schöne, sich steigernde Halbballade, die Sänger Stephan bestens im Griff hat, und sich mit einer einsamen Lead-Gitarre wärmstens ins Herz des Hörers schmeichelt. Das zackige "Heretic" hat man sich noch vom Vorgänger-Album "Harlequin" geholt, welches aber "nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was wir jetzt machen" (O-Ton der Band). Mir egal. Stephan's Mammut-Scream haut mich erst mal um und leitet den perfekten Abschluss ein, der mich nicht nur einmal an Heathen's "Breaking The Silence"-Zeit erinnert.
Große Namen, die man hier liest - klar ist das hochgegriffen, aber es schimmert nun mal durch. Man merkt eben den Spirit, mit dem die Band hier zu Werke geht. Da passt die knackige Analog-Produktion auch wie die besagte Faust usw. … Was mich am meisten begeistert ist, dass das Quintett clever genug ist, seine (derzeit) vorhandenen musikalischen Fähigkeiten nicht zu überreizen, um sich auf Krampf technisch profilieren zu wollen. It's all about the song - und diese vier gehen rein wie aus einem Guss.
Wenn die Band es schafft, dieses Variantenreichtum und Qualitätslevel ohne ernst zunehmende Verluste auf Longplayer-Größe auszudehnen, dann freue ich mich jetzt schon wie Oskar, das Review schreiben zu dürfen. (sw)

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