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SEETHER - Poison The Parish

VÖ: 12. Mai 2017
Canine Riot Records / Spinefarm Records

Drei Jahre sind vergangen, seit "Isolate And Medicate" eher verhaltene Reaktionen hervorgerufen hat. Seether, die ursprünglich aus Südafrika stammen, hatten ihren Zenit längst überschritten - da waren sich viele Kritiker einig. Zugegeben: Was war das für ein Zenit? "Disclaimer" (2002), "Disclaimer II" (2004) und "Karma And Effect" (2005) zählen zu den bekanntesten und beliebtesten Post-Grunge-Alben aller Zeiten. Von Letzterem war vor allem der Song "Remedy" eine Hymne des Genres. Ob es nun Korrelation oder Kausalität war: Frontman Shaun Morgan unterzog sich 2006 einem Entzug und danach wurden die Kritiken spürbar schlechter. Das könnte sich mit "Poison The Parish" ändern - zumindest, wenn man Seether das Erwachsenwerden nicht ankreidet. Die Stimme von Shaun Morgan ist unverwechselbar, auch der instrumentale Sound ist in vielerlei Hinsicht der Alte geblieben, vielleicht etwas bassiger. Die Songs selbst wirken jedoch deutlich weniger pathetisch (das war früher aber auch nicht negativ!). Etwas untypisch, dafür aber unglaublich drückend, beginnt die Scheibe mit "Stoke The Fire". Spätestens wenn aber Morgan's typischer, in den Höhen eher kehliger, Gesang einsetzt, fühlt man sich als Fan zu Hause (und zehn Jahre jünger). Bei "Let You Down" findet sich ein leichter Crossover-Touch mit einem "hippen" Nu Metal-Riff, aber man übertreibt es auch nicht mit den Experimenten. Die schon genannte Stimme vom Fronter kommt am besten im (dann doch) leicht kitschigen "Against The Wall" durch. Wohl kaum jemand erwartet von einer Band wie Seether etwas anderes, als ihr bereits geliefertes Handwerk: Es ist emotionale Musik, die vielen Halt bietet und einen Hauch Nirvana-Rebellion mitträgt. Songs wie "Something Else" sind prädestiniert dafür. So wie damals "Fine Again", "Needles" oder "Fade Away". Zugegeben, "Poison The Parish" driftet manchmal vielleicht ein wenig zu weit in Radiogefilde ab, vor allem der Rausschmeißer "Sell My Soul" klingt ein wenig zu sehr nach Nickelback, aber insgesamt dürfte das Album viele Kritiker positiv überraschen. Die Riffs sind frisch und hypnotisierend, Songs wie "Saviours" haben noch immer den depressiv-nachdenklich-wütenden Touch, der genau die Stärke der Band ist. Die teilweise eingestreuten Background-"uuuhuuhuuuh"-Chöre kann man sich definitiv sparen und der ein oder andere Song mit der Energie von "Remedy" hätte der Scheibe auch gut getan. Ansonsten ist hier (zugegeben unerwartet) wenig Kritik zu finden, wenn man offen für ein paar Gefühle ist. (jh)

8,5/10