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SLIDHR - The Futile Fires Of Man

VÖ: 20. Juli 2018
Ván Records

Black Metal aus Island - was stellt sich der brave Hörer darunter vor? Dunkler, wirklich schwer erträglicher Black Metal? Jup, stimmt. Slid(h)r haben sich nach einem Fluss in Hel benannt und erfüllen damit leider direkt ein nordisches Black Metal-Klischee. Insgesamt ist "The Futile Fires Of Man" die siebte Veröffentlichung von Slidhr. Allerdings, um weitere Stereotypen zu bedienen, erst die zweite Full-Length neben einigen EPs und Demos. Sänger Johsep Deegan, Drummer Bjarni Einarsson und Bassist Garðar S. Jónsson haben im Vergleich zum ersten Album noch einmal eine Schippe tropfender Düsternis draufgesetzt. Aber von vorne.
Gleich der nach dem Album benannte Opener klingt erdrückend. Der Hörer hat das Gefühl, in einem dunklen Teermatsch aus klebrig-kohligem Geschrammel zu ertrinken. Das geht auf "Summon The Rivers" so weiter, bevor die Band sumpfiger und langsamer wird. "To Celestial Depths" schraubt sich in doomige Gefilde und verstärkt den Eindruck des klebrigen, langsamen Ertrinkens.
Mit "A Scattered Offering" und "Rise To The Dying" ballert die Band dann wieder zu gewohnter Gangart. Interessant: Keiner der Songs ist eindimensional oder einfach eine Mischung aus Instrumenten, die "aufeinander" spielen. Die Band schafft es, eine Stimmung zu erschaffen, die eine gewisse Hoffnungslosigkeit verbreitet. Dass Slidhr nicht in einen hippen, schwarz angemalten Doom abrutschen macht etwas her. Hier wird Musik gemacht, die wirklich so wenig auf aktuelle Szenekonventionen setzt, dass es an echte Authentizität grenzt. Ganz ohne "langsam" zu sein, nimmt das Album den Hörer auf eine Reise durch einen Riff-Dschungel mit.
Andererseits: "The Futile Fires Of Man“´" führt die Geschichte des hochwertigen, instrumental wertvollen Black Metal fort, ohne neue Impulse zu setzen. Es ist gut, aber traut sich insgesamt zu wenig. Austauschbar? Nein. Es hat diesen Touch, es klingt eigenständig. Ein Meilenstein? Eher auch nicht. Die dissonanten Riffs und widerlichen, auf einen apokalyptischen Drum-Fundament aufgebauten Sound-Pamphlete sind solide. Ein positives Zeichen ist auch, dass kaum eine Band als Vergleich herhalten kann. Ruins Of Beverast auf MDMA? Wer sich das gut vorstellen kann, muss reinhören. Alle andere können reinhören, sollten aber kein Weltwunder erwarten. Sonderpunkte allerdings für eine selten gehörte Kompromisslosigkeit. (jh)

6,5/10