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SPEEDCLAW - Beast In The Mist

VÖ: 20. April 2018
Shadow Kingdom Records

Neuigkeiten: Der Hype um die New Wave of Oldschool… also die New Wave of New Wave of British Heavy Metal … also jedenfalls hört nicht mehr jedes Kind automatisch jede Band, die auch nur entfernt nach Priest, Maiden oder Tygers Of Pan Tang klingt. Wir können Bands, die einfach nur Heavy Metal machen, wieder ganz normal hören. Und so sehe ich mit Freude der neuen Platte "Beast In The Mist" von Speedclaw entgegen. Genau genommen ist es nur eine EP, wenn auch mit ca. 30 Minuten eine recht umfangreiche. Sie ist der Nachfolger von "Iron Speed" aus dem Jahre 2016. Die Kroaten konnten damals die Szene noch nicht so richtig von ihren Qualitäten überzeugen, die Resonanz war gemischt. Aber der Pool an Bands war auch ein anderer.
Eines gleich vorweg: "Beast In The Mist" klingt nicht kroatisch oder gar kontinental, sondern hat einen starken angelsächsischen Sound, der schnell vertraut klingt. Die EP krankt aber an einem ähnlichen Problem wie der Vorgänger, denn sie kommt nicht schnell genug in die Gänge. Speed Metal muss schnell in die Gänge kommen - das ist der Sinn der Sache.
Preludes sind sicherlich Geschmackssache. Speedclaw nutzen auf "Beast In The Mist" ein Prelude, welches generisch und austauschbar wirkt. Es verstärkt sogar beim zweiten Hören den Eindruck, dass die Jungs nicht aus dem Quark kommen. Das ist fast ein wenig tragisch. Speedclaw haben es irgendwie geschafft, dass die beiden ersten Songs der EP am wenigsten Power ausstrahlen. Der Titeltrack und "Faster Than Hell" haben zwar ziemlich englisch-priestige Rhythmusgitarren, erinnern aber gesanglich unangenehm an die (bei den Jungs aber sympathische) "Mische" von Iron Kobra. Hört man sich allerdings bis "Rising Of The Claw" oder gar "Aggression Strikes" durch, wird man belohnt. Denn hier zeigen die Jungs, dass sie ziemlich breite, dreschige 80er-Mukke spielen können. "Aggression Strikes" hat eine sehr knackige Rhythmusfraktion mit saftigem Bass und fiese Melodiespitzen, die an sehr frühe Slayer erinnern. Auch der Gesang ist jetzt deutlich anders abgemischt. "Rising Of The Claw" und "Aggression Strikes" stellen die absoluten Höhepunkte der durchwachsenen Platte dar und stechen stark hervor. Der Rausschmeisser "Evil That You See" ist im Vergleich zu den anderen Songs sehr melodisch und … wieder klingt der Gesang anders?
In der Tat kann man diese EP in drei Teile einteilen. Die ersten zwei Songs (ohne das Prelude) als eher durchschnittlich produzierte Speed Metal Sauf-Rutsche mit etwas zu wenig Saft. Die Songs 3 und 4, die sehr thrashig sind und mit einem starken, aber schnörkellos-spaßigem Songwriting daherkommen - und Song 5, der wieder irgendwie ein eigenes Genre darstellt. Davon mag man halten, was man will. Wahrscheinlich wurde die Platte mit zeitlichem Abstand und in unterschiedlichen Studios aufgenommen. Allen Songs gemeinsam ist dieser klassische Mitsing-Charakter, den man von Bands wie Tank oder Angel Witch kennt.
Die zweite Hälfte der EP macht enormen Spaß, die erste Hälfte eher erst nach dem dritten Bier. Dann aber richtig. Das ist gut, aber nicht selten. Kaufen sollte man die Platte in jedem Fall. Denn die Steigerung gegenüber der EP von 2016 ist enorm und das Potential scheint bei "Rising Of The Claw" und "Aggression Strikes" deutlich durch. Weitermachen! (jh)

7/10