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TAG SIEBEN - Live in Bethlen (EP)

VÖ: 07. Juli 2016

"Das Tiroler Quartett Tag Sieben ist gekommen, um mit ihrer aktuellen 6-Track EP der Welt ihre Verwirrung aufzuzeigen. Geleitet von einem Geist oder einem Wesen aus einer uralten Schrift ..."
So und nur so lautet die Empfehlung seitens der Band, das Review zu der aktuellen EP von Tag Sieben einzuleiten. Eigentlich wollte ich das nicht eins zu eins übernehmen. Nun habe ich es aber doch getan, zwar in Form eines Zitats, aber nun steht es tatsächlich am Beginn meines Reviews. Auch wenn ich ein starker Verfechter der Individualität bin, ein Prädikat, dass sich Tag Sieben sicherlich auch auf die Fahne schreiben können, fand ich dieses Zitat doch geeignet um dieses Review einzuleiten, da ich finde, dass diese zwei kurzen Sätze doch schon einiges über das Konzept "Tag Sieben" aussagen. Eine Band oder ein Projekt, dessen Konzept es ist, kein festes Konzept zu haben oder wie man schreibt "prinzipiell keinen sturen Plan" zu verfolgen. Wem das jetzt schon merkwürdig oder seltsam anmutet, der führe sich einmal die Biographie von Tag Sieben zu Gemüte. Spätestens jetzt fühlt man sich, als sei man Gast mitten in einer Show auf dem Sender Astro TV. An dieser Stelle möchte ich einmal anmerken, dass ich selbst ein riesiger Fan solcher abstrus wirkenden Konzepte bin und das Ganze auf jeden Fall mit gesteigertem Interesse verfolgen werde.
Nun gut. Wir haben eine tiroler Band mit einem außergewöhnlichen Konzept und einer EP, die auf den Namen "Live in Bethlen" hört. Anzumerken ist hier an erster Stelle, dass es sich nicht um echte Live-Aufnahmen handelt. Vielmehr ist der Live-Aspekt ein Stilmittel, um dem Kunstwerk den letzten Schliff zu geben. Das stellenweise dezent zu hörende Publikum ist also nicht so ganz echt und die Live-Atmosphäre auch nur künstlich erzeugt. Bei Live-Alben, die keine sind, kam mir auch gleich der Gedanke, dass man das doch irgendwoher kennt. Ich kam aber lange nicht drauf. Heute fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Gorgoroth - Live in Grieghallen. Allerdings wird die Intention bei Gorgoroth eine ganz andere gewesen sein.
Tag Sieben steht das Live-Gewand auf jeden Fall gut zu Gesicht und ich kann mir vorstellen, dass ein Auftritt der Tiroler auch wesentlich intensiver wirkt, als so manch anderes Konzert und auch intensiver, als das akustische Material von der Konserve wirkt. Mir persönlich gefällt letzteres aber erstaunlich gut. Es ist stilistisch recht weit weg vom Metal, klingt eher punkig, vor allem bestärkt durch die leicht krächzigen Vocals und die Texte, die vor allem Kritik an der Gesellschaft oder an historischen Ereignissen üben. Auf den ersten Blick wirkt auch alles ein wenig holprig und man braucht recht lange, um sich in die Musik einzufinden. Wenn das Ganze aber erst einmal wirkt, dann macht das auch richtig Spaß und lässt sich sehr gut hören.
Lange Rede, kurzer Sinn: "Live in Bethlen" ist äußerlich sehr seltsam, bei näherer Betrachtung aber auch sehr interessant und bietet einige eingängige Songs. Ich bin gespannt, was von Tag Sieben in Zukunft noch kommt. (cl)

7/10