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TAU CROSS - Tau Cross

VÖ: 15. Mai 2015
Relapse Records

"Out Of The Grave I Shall Arise. I Am Alive!" tönt es im Opener "Lazarus" und gibt damit ein klares Statement, nicht nur in Bezug auf die biblische Legende des Lazarus bezogen, sondern auch auf sich selbst. Denn schnell fällt einem da auch die Parallele zur gern genutzten Phrase "Punk's Not Dead" auf.
Was Relapse Records im Promo-Text vorsichtig als "Metallic Punk" anzupreisen versuchen, ist nämlich nichts Geringeres, als die Wiederbelebung eines tot geglaubten (oder tot gewollten) Musik-Genres, Crust genannt.
Frontmann Rob "The Baron" Miller's unverkennbare Vocals durfte man ja in den 80ern und nach der Wiedervereinigung 2008 schon bei der Crust-Legende Amebix genießen.
Nun ist "The Baron" wieder da und hat einige hochkarätige Waffenbrüder dabei. Bei Tau Cross sind Michael "Away" Langevin von Voivod an den Drums zu hören, sowie die Gitarristen Andy Lefton und Jon Misery. Letztere haben in der Vergangenheit auch schon in Szene-intern sehr bekannten Crust Bands gespielt.
Ein Line Up, das demnach nur eins bedeuten kann: frischer Wind im Crust-Sektor! Jetzt werden sich aber viele fragen, "was ist denn überhaupt Crust?". Das zu erklären würde ein wenig länger dauern, aber bei "Tau Cross" klingt es, als wenn Lemmy Kilmister (Motörhead) nach einer hart durchzechten Nacht, zusammen mit einigen Kumpels von Kreator und Killing Joke, auf die Idee gekommen wäre, ein Punk-Album aufzunehmen.
Und so rotzt der Baron kehlig, kratzig die Vocals von "Tau Cross" ein, schafft es dabei sogar melodische Passagen einzubauen und erschafft dabei irgendwie einen angenehm räudigen Sound.
Auch vor balladesken Stücken wird auf dem selbstbenannten Erstling nicht Halt gemacht. So sticht z.B. "We Control The Fear" gerade mit dieser Eigenschaft aus dem restlichen Set heraus und ist ganz klar als Ballade zu klassifizieren, kommt aber Dank der Whiskey-getränkten Stimme des Barons, komplett ohne den schnulzigen Kuschelfaktor aus. Wenn man dann gerade noch bei den ruhigeren Stücken ist, dann muss auch "Sons Of The Soul" genannt werden. Irgendwie habe ich bis zum Ende des Intros (bei etwa zwei Minuten Laufzeit) darauf gewartet, dass jeden Moment ein Kinder-Chor "Teacher! Leave Us Kids Alone!" gröhlt. Echtes Pink Floyd Feeling.
Ansonsten ist die Scheibe aber wenig ruhig gehalten und glänzt mit thrashig/punkigen Riffings und einem stark an die Killing Joke Alben aus den 2000ern erinnernden industriellen Sound.
Ebenso findet man leicht doomige, schleppende Rhythmen und abgerundet wird das Ganze durch die kehligen Vocals von Rob "The Baron" Miller. Eine wirklich gut gelungene Scheibe, deren definitive Highlights die Nackenbrecher "The Lie", "Stonecracker", "Hangman's Hyll" und "Midsummer" sind. Aber auch die zuvor erwähnten, ruhigeren Stücke sind zu empfehlen und somit bleibt zum Schluss nur zu sagen: "I Am Alive!" (cl)

8/10