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THE HERETIC ORDER - Evil Rising

VÖ: 22. Juni 2018
Massacre Records

Die Briten von The Heretic Order habe ich wohl auf die beste Art entdeckt, wie man eine Band entdecken kann: Als ich noch in England studiert habe und als Konzertfotograf unterwegs war, wurde ich zu einem Gig eingeladen, bei dem als Vorband eine in Corpse-Paint gewandete und satanische Texte vortragende Heavy Metal-Kapelle auftrat, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Dennoch fand ich ihre Show dermaßen überzeugend (Satan geht bei mir immer), dass ich mir spontan ihr angebotenes Album am Merch-Stand gekauft habe. Seitdem ist das Debüt-Album "All Hail The Order" von The Heretic Order ein Dauerbrenner in meiner Playlist (vor allem beim Autofahren). Dementsprechend gespannt bin ich auf ihr neues Album und ob sie ihr hoch gestecktes Niveau halten können.
Nach dem eher durchschnittlich epischen Opening schließt das Album jedenfalls nahtlos an seinen Vorgänger an. Der Titeltrack "Evil Rising" bietet mit treibenden Beats, einem eingängigen Refrain und dem schaurig-bösartigen Gesang genau das, was ich von der Band gewohnt bin. Lediglich das Gitarrensolo im letzten Drittel kommt etwas schwach daher. Der zweite Track macht das aber direkt wieder wett und haut dem Zuhörer dafür umso virtuosere Riffs um die Ohren, lässt in mir aber auch die Sorge aufkommen, dass das Album schnell eintönig werden könnte, wenn es diesen Kurs weiterfährt. Dass diese Angst allerdings unbegründet ist, beweist die Band noch im selben Song, als mich zum Ende hin ein plötzlicher Tempo- und Stimmungswechsel aus dieser Lethargie reißt. Und als Sänger Lord Ragnar im dritten Song "Hate Is Born" alle seine Gesangsregister auffährt, die Band das mit feinsten Headbanger-Qualitäten und geilen Gitarrenriffs toppt, bin ich mir sicher: Das erste Album war nicht nur ein zufälliger Glücksgriff, diese Jungs haben's wirklich drauf.
Die Doom-lastigen "Omen" und "Under The Cross Of Pain" verstärken diesen Eindruck nochmals und bei dem virtuosen Gitarrenspiel in "Straight Down (To Hell)" fällt es mir schwer, den Drang zum Luftgitarrenspiel zu unterdrücken (denn ich schreibe diese Zeilen auf der Arbeit).
Der absolute Höhepunkt des Albums ist für mich aber der Track "The Scourge Of God", den man mit seiner epischen Länge fast als das Magnum Opus der Band bezeichnen könnte. In den neun Minuten und zwanzig Sekunden Laufzeit, reist die Band durch alle Gefilde zwischen Doom Metal, Occult Rock und Sludge Metal, die man sich als Fan nur wünschen kann. Und wer bis zum Ende dabei bleibt, wird merken, dass sich die Reise gelohnt hat. Eigentlich wäre es der perfekte Abschluss des Albums gewesen, denn der tatsächliche Schlusstrack "Visions" geht in seinem Schatten ein wenig unter. Hier hätte man die Reihenfolge der Songs ein wenig besser managen können.
Das Album "Evil Rising" bietet alles, was ich mir von The Heretic Order erhofft habe und noch mehr: Erstklassigen, eingängigen, satanisch-okkulten Heavy Metal mit Doom-Sludge-Einflüssen, harten Gitarrenriffs und genug Headbang-Potential, um jeden Metaller zufrieden zu stellen. Im Vergleich zum Debüt hat sich die Band dabei nochmal deutlich gesteigert. Neben dem Gitarrenspiel muss ich auch den Gesang von Lord Ragnar herausstellen, dessen Stimme perfekt zwischen bösartigem Geflüster, energiegeladener Aggression und hochstimmiger Verzweiflung wechselt. Beachtlich ist auch, wie viel Variation sie in ihre Musik bringen, wenn man bedenkt, dass sie eigentlich sehr klassischen Heavy Metal spielen. Gerade mit dem Line-Up aus Gitarre, Bass, Drums und Gesang, kann es einer Band leicht passieren, dass sie nur zu einem Abziehbild eines ihrer großen Vorbilder verkommen. Aber jedes Mal, wenn ich bei einem Song denke, "das hab ich schonmal gehört", überraschen The Heretic Order mit etwas Unerwartetem und reißen das Ruder herum. Sei es ein plötzlicher Tempowechsel oder eine Stimmungsänderung im Gesang. "Evil Rising" wird nie langweilig! (hlq)

8,5/10