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THRESHOLD - Legends Of The Shires

VÖ: 08. September 2017
Nuclear Blast

Irgendetwas stimmt nicht im Threshold-Universum. "March Of Progress" und die damit einher gehende Rückkehr von Sänger Damian Wilson war ja phänomenal. Doch schon "For The Journey" fühlte sich trotz allerorts guter Kritiken etwas abgeschwächt an. Dann der überraschende, von der Instrumental-Fraktion entschiedene Abgang von Damian Wilson und jetzt ist der Neue abermals der Alte - Glynn Morgan, der bereits das 1994er Wunderwerk "Psychedelicatessen" mit seiner Stimme belegte und nun gleich mal ein 83-minütiges Doppelalbum hat, um sich der Gemeinde erneut vorzustellen. Um es vorweg zu nehmen, stimmlich ist Glynn erstklassig und setzt sich eigentlich genau zwischen die beiden Stühle des gegangenen Damian Wilson und des verstorbenen "Mac" (R.I.P.) - soll heißen, es rockt auch mal rauchig aus der Kehle.
Der Titel "Legends Of The Shires" ist irreführend, denn hört man den Lyrics genau zu, so hat das Album wohl herzlich wenig mit Hobbits zu tun und erscheint viel mehr als das textlich persönlichste zu sein. Wie tiefgründig das alles ist, vermag ich nicht zu deuten, musikalisch tief ist es irgendwie weniger und es verblüfft mich, wie leicht der Zugang zu einem Threshold-Album dieses Mal ist. Keine Frage "Small Dark Lines" ist ein Threshold Opener, wie er im Buche steht, hat aber in Sachen Großartigkeit gegenüber "Kollegen" wie "Mission Profile", "Profile" oder "Ashes" das Nachsehen … Scheiße, dasselbe habe ich bereits zum letzten Album geschrieben …
Auch bei den Longtracks wackelt die Waage. "Lost In Translation" auf CD 2 ist stark, "The Man Who Saw Through Time" auf CD 1 läuft irgendwie einfach so mit. Selbiges kann über "On The Edge" gesagt werden, der Song ist fast schon zu unaufdringlich. Interessanter wird es hingegen, wenn man wirklich etwas emotionaler ("State Of Independence") oder dem Titel entsprechend unterschwelliger wird ("Subliminal Freeways"). Und wenn "Stars And Satellites" bis zu einem gewissen Grad auch von Nightingale hätte sein können, finde ich das gut…
Sagt hier jemand etwas von "schlecht"? Nun, ein "schlechtes" Album ist "Legends Of The Shires" bei Weitem nicht und es gibt Legionen von Bands, die alles opfern würden, wenn sie mit einer solchen Leichtigkeit ein Album wie dieses aus dem Boden stampfen könnten. Der Haken? Wir reden hier von Threshold, deren Backkatalog fast ausschließlich absolute Spitzenqualität beinhaltet. Und dieses Wissen kann man schwerlich einfach mal so abschalten.
Vielleicht musste das opulente Doppel-CD-Konzept sein. Vielleicht muss man sich mit neu-altem Sänger wieder neu ausrichten … einer der starken Songs heißt "Trust The Process" … okay, dann vertraue ich mal. (sw)

8/10