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TRIBULATION - Down Below

VÖ: 26. Januar 2018
Century Media

Ein Experiment startet immer irgendwie mit gewissen Erwartungen und dem Gedanken im Hinterkopf, seine Zeit verschwendet zu haben. Sich die neue Tribulation zu angeln, war in gewisser Weise ein Solches für mich. Eher ungewöhnliches Material einer eher ungewöhnlichen Band. Wer es aber schafft, meine heißgeliebten The Haunted an die Wand zu spielen (so geschehen 2017 auf dem Graveland Festival), sollte auch auf Scheibe zu einigem fähig sein. Abgesehen davon, dass sie überall über den grünen Klee gelobt werden.
Das neue Mach(t?)werk der Schweden erblickt nun das Licht dieser friedlichen, vor Menschlichkeit trotzenden Welt. "Down Below" lief nun schon unzählige Male durch meine Trommelfelle (nein, ich spiele kein Instrument) und nimmt einen mit auf eine Entdeckungsreise zu verschiedensten Schauplätzen der musikalischen Evolution. Rein optisch immer noch The Cure meets Tim Burton, überzeugen mich die Jungs mit ihren teils über Siebenminütern auf ganzer Linie. Eine dichte Atmosphäre, dutzende versteckte musikalische Raffinessen und immer geile bis arschgeile Songs fluten mein Hirn mit imaginärem Horror (kein Splatter, sondern der gute alte klassische Horror). Man muss nicht knüppeln, ballern, durch die Tür treten, um auf sich aufmerksam zu machen. Tribulation gelingt dies durch eine Wand aus Nebel, Verzweiflung und brechend geilen Melodien ("Subterranea"), die schwer zu verdrängende Ohrwürmer bilden ("The World"). Verwurzelt tief im Extrem der Metalszene, angereichert mit 70s Vibes und akustischen Trips durch die Spuklandschaften unserer Alpträume, zieht dieses Album seine Kreise um den geneigten Hörer. Es breitet die Arme aus, um ihn zu fesseln, zu berauschen, zu beglücken und trägt die willenlose Kreatur dennoch in den Abgrund. Trotz all dieser Dunkelheit strahlt "Down Below" eine unnachahmliche Kraft und Energie in den Raum und flutet diesen mit dessen Schönheit ("Here Be Dragons").
Ähnliche Wirkung hatten damals "Amok" (Sentenced) und "The Silent Enigma" (Anathema) auf mich, wo wir nun beim einzigen Schwachpunkt dieses tollen Klangerlebnisses sind: Sänger Johannes Andersson dürfte vielleicht etwas mehr aus sich herauskommen. Aber das ist nur ein kleines Manko dieser großartigen Gesamtleistung.
Dieses Experiment hat erneut gezeigt, dass es sich durchaus lohnt, seine Vorlieben mal etwas zu vernachlässigen und etwas Neuem eine Chance zu gewähren. (oem)

9/10