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TROLL - Troll (Re-Release)

VÖ: 16. März 2018
Shadow Kingdom Records

Die vier Jungs aus Portland/Oregon haben sich wahrlich einen Bandnamen ausgesucht, der Verwechslungsgefahr birgt. Der geneigte Metal-Nerd könnte mindestens sechs Bands kennen, die Troll heißen, darunter alleine drei aus den USA. Schlimmer noch: Troll aus Portland sind nicht einmal die einzige Troll-Band, die Doom Metal machen. Auch die gleichnamigen Österreicher frönen den schweren, dunklen Gitarrenriffs. Und das sind nur die Gruppen, die mehr oder weniger Szene-Berühmtheit erlangt haben.
Nun, der Oregon-Troll macht recht epischen, tragenden Doom Metal, der stellenweise an Candlemass erinnert. Stimmlich gut, aber unspektakulär, werden sauber produzierte und nicht allzu düstere Riffs begleitet. Dabei klingen alle Songs sehr professionell komponiert und handwerklich hochwertig. Einigen Doomern wird dabei das "jammige" Element fehlen. Da es sich bei "Troll" um einen Re-Release handelt, ist das alles nicht neu. Das ist schade, die Platte hat aber den richtigen Charakter dafür: Eingängig, besser abgemischt.
Das Artwork stellt - man kann es erraten - einen Troll dar und wirkt deutlich finsterer, als die Musik selbst. Zwar startet "The Summoning" die Platte mit einer Prise schwerstem Blei, wird dann aber leichter. Hier stößt die Truppe auch ein wenig an Kreativ-Grenzen: "An Eternal Haunting" zieht sich ein wenig, das sehr gute Riff wiederholt sich vielleicht eine Minute zu oft.
Was hingegen sehr gefällt: Keine Fuzz-Überdosis. Die Band spart Effekte in dieser Richtung, nutzt gelegentlich gut dosierten Delay und Reverb, nie aber zu krassen Nasse-Socke-Effekt. Das hat folgenden ganz pragmatischen Vorteil: Metalheads außerhalb der Doom-Sparte haben einen leichteren Einstieg. Wenn ein Thrasher zum ersten Mal Weedeater hört, ist er abgeschreckt von der Kakofonie, die der Fuzz auf den ersten (!) Lauscher bietet. Das passiert bei Troll nicht. Andererseits: Troll sind softer. Troll sind wirklich ziemlich soft. Sie haben weder den Biss von Electric Wizard, noch die düstere Atmosphäre von Black Sabbath. Handwerklich ist das Niveau hoch. Aber wo handwerklich auf höchstem Niveau gearbeitet wird, fehlt manchmal der Charme, der letzte kleine Schnörkel, der den Ausschlag gibt. Es ist wie eine dieser Schau-Küchen für Kochvideos: Sie sind schön, hochwertig, stylisch. Jeder würde gerne dort einmal kochen. Aber irgendwie fehlt das "Heimelige". Das könnte bei Troll einfach ein kleiner Jam-Part sein oder eine schnelle Bass-und-Drum-Einlage mit stark verzerrtem Bass sein. Einfach eine Prise Rotz. Mehr zu mäkeln gibt es aber nicht. Eine solide Platte, die in die Fußstapfen großer britischer Doom-Namen tritt - und fast ausfüllt. Fast. (jh)

7/10