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TURBOKILL - Turbokill (EP)

VÖ: 15. Juli 2018

Am 29. September 2018 war ich mal wieder richtig Fan, nicht Schreiberling oder Knipser - nein, waschechter Fan. Ich fuhr über 200 Kilometer nach Datteln am Niederrhein, wo das Razorblade 2.0-Festivel stattfand, um mir nur für den Samstag zwei der besten Nachwuchsbands der einheimischen Szene zum ersten Mal live anzuschauen. Zum einen die Death Metal Cracks von Misanthrope Monarch (Review zum Debüt-Album HIER) und die neue Band um ex-Alpha Tiger-Sangeswunder Stephan Dietrich - Turbokill. Warum Fan? Weil ich erst dort ihre selbstbetitelte EP käuflich erwarb, nicht gesaugt, nicht geschnorrt, nicht vorab - nein, fanmäßig einsacken.
Die EP war zwar kurz nach VÖ auf YouTube in Gänze zu hören, aber auch das habe ich vermieden. Der Erstkontakt sollte ein klassisches Hörerlebnis mit physischem Tonträger werden. Gut - den Titelsong habe ich mir vorab gegeben, weil die Neugierde einfach zu groß war. Und am besten gefiel mir ein Kommentar, dieser Song hätte auch auf dem "Resurrection"-Album von Rob Halford (be)stehen können. Wie wahr. Rhythmus, Riffing, Refrain - meine eigene Vermutung hätte nicht treffender sein können. Ebenso, wie zahlreiche Kommentare, wie schön es doch ist, Stephans Stimme wieder zu hören. Viele sprechen von Erleichterung und eine Schande, wenn er nie wieder in Aktion getreten wäre. Passt ebenso. Ich schrecke sogar kurzzeitig auf, als er gleich zu Beginn die Worte "Bloody chains and leather…" fast mit Halford'scher Rasierklinge auf den Stimmbändern intoniert. Im Refrain des folgenden Headbangers "Don't Deal With The Devil" wird aus der positiven Schrecksekunde sogar eine amtliche Gänsehaut. Mit "Global Monkey Show" präsentiert sich das Quintett von der rockigen Seite, um mit dem speedigen "War Thunder" denjenigen ein neues Zuhause zu geben, die nach dem Abschied von Alpha Tiger nach neuem "Man Of Machine"/"Beneath The Surface"-Stoff suchen. Vier Songs - starke Bandbreite - ein Kompliment an Rhythmus-Gitarrist Ronny Schuster, der laut Booklet alleinverantwortlich für die Musik ist. Das dicke Rhythmus-Fundament von Drummer Philipp Dießl und Bassist Marco Grünwald pumpt amtlich (auch live!) und mit Lead-Gitarrist Daniel Kanzler ist ein weiterer Glücksgriff gelungen, denn der Mann lässt die Saiten wirklich glühen. Und dass das alles auch live funktioniert, davon konnte ich mich an besagtem Abend auch überzeugen. Das mag alles nach großer Lob-Dudelei klingen, nach Fan-Talk und rosaroter Brille, aber diesen vier Songs hört man wirklich an, dass sich hier fünf Musiker gefunden haben, die an einem Strang ziehen (wollen).
Seit Erwerb hörte ich die EP des Öfteren satte vier Mal an einem Tag. Zwei Mal auf dem Weg zur Arbeit, zwei Mal zurück nach Hause - kurze Spielzeit zahlt sich aus. Am Ende des Tages stand immer fest: Wenn Turbokill dieses Niveau auf dem ersten Longplayer halten oder gar übertreffen - und sie den besagten Strang auch immer gemeinsam ziehen - dürfte ihre Zukunft verdammt rosig aussehen. (sw)

8,5/10