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UMBRELLA - Kinematograph

VÖ: 21. Juni 2015
Gan-Shin Records

Viele kennen Japan unter anderem für seine ganz eigene Form von Rockmusik, den sogenannten J-Rock. Auch Umbrella sind diesem Genre zuzuordnen und kommen doch mit der einen oder anderen Eigenheit daher, welche sie auf ihrem neusten Mini-Album "Kinematograph" verewigt haben. Sieben Songs haben es dabei auf die Platte geschafft und mit 27 Minuten ist das Album gar nicht so "mini" wie erwartet. Zunächst einmal haben wir mit "Lumiere" ein etwa zweiminütiges Intro, welches eigentlich nicht einmal beim ersten Hören wirklich hörenswert ist, sondern schlichtweg langweilig. Da ich sowieso kein Fan von Intros bin, konzentrieren wir uns hier mal auf die "richtigen" Songs. Dabei wäre dann "Keihaku na hito" (dt. "oberflächlicher Mensch") mit einem sehr einprägsamen Violinenthema, welches ungewöhnlich oft im Song wiederholt wird, ebenso wie Refrains, welche auch mehrere Male ihren Weg fanden, eingebunden zu werden. Das ist für westliche Bands typisch, für japanischen J-Rock allerdings ein eher ungewöhnliches Merkmal und deutet auf eine Orientierung an westliche Musik hin. Typischer wirkt der Song "Sky Fish", welcher von Anfang bis Ende eine lineare Steigerung aufweist und nicht auf wiederkehrende Elemente setzt. Das Album selbst weist eine sehr durchmischte Form von musikalischen Elementen auf, die sowohl auf moderne oder westliche Musik hinweisen, dann aber auch klassische japanische Zittern verwenden und so eine traditionelle Note mit einbringen. Diese Unterschiede sind etwas ungewohnt, aber keineswegs uninteressant. Ähnlich verhält es sich mit dem Gesang. Dieser wirkt für ungeübte Ohren wahrscheinlich halbwegs normal, aber man kann eine gewisse "Brüchigkeit" in der Stimme hören, welche oft bei unerfahrenen Sängern zu beobachten ist, allerdings ist hier diese Charakteristik nicht nur Zufall, sondern essentielles Stilelement, um eine melancholisch wehleidige Atmosphäre zu erzeugen. Nach mehrfachem Hören wirkt das Ganze dann sehr charmant durch diese leichte Unvollkommenheit. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, der kann mit der sehr emotionalen Musik und eingängigen Melodien sicherlich etwas anfangen. Insgesamt ein sehr interessantes Album, welches aber sehr geschmacksabhängig ist und etwas Eingewöhnungszeit braucht, um sein Potential auch entfalten zu können. (zeo)

7/10