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UNCLE ACID & THE DEADBEATS - The Night Creeper

VÖ: 4. September 2015
Rise Above Records

Man könnte fast meinen, in den wilden Genrebezeichnungen "Acid Rock", "(New Wave of) Occult Rock" oder "Psychedelic Doom Rock", erfährt die weibliche Gesangsstimme ein kleines Aufleben in der ansonsten männlich dominierten Rolle. Doch halt! Diese geisterhafte, fließende Stimme kommt aus einem Mann? Aus einem Sänger, der sich "Uncle Acid" nennt? Der Rezensent beglückwünscht zu dieser Entdeckung!
Das neue Album vom Onkel und seinen Deadbeats, aufgenommen in den Toe Rag Studios, wo bereits Electric Wizard ihre Rituale abhielten, surft auf den Nachwehen einer Welle aus den Vereinigten Staaten, die o.g. Genres zu neuer Popularität verhalf. Komplett anknüpfen kann die Band an die ikonischen Vorgängeralben "Vol. 1" (2010) und "Blood Lust" (2011), sowie die legendäre Split mit den Genrekollegen von Danava jedoch nicht. Dabei fängt die Scheibe stark an, der Hörer wird durch den enormen Wiedererkennungswert der Band in den Deadbeats-Sog gezogen und findet sich auf der üblichen Reise durch die Musikgeschichte, denn es gibt kaum eine andere Band, die Black Sabbath mit den Kinks oder den Beatles so gut verknüpfen kann. Einer der Höhepunkte des Albums stellt dabei "Pusher Man" dar, der nur als eine brillante (eigenständige!) Hommage an die Pioniere des dunklen, psychedelischen Rocks der allerersten Stunde verstanden werden kann. Was jedoch auch (oder gerade?) bei wiederholtem Hören vermisst wird, ist der Einfallsreichtum, die Experimentierfreude, die den Hörer auf "Blood Lust" mit offenem Mund zurückgelassen hat. Ausnahmslos alle Songs lassen, vor allem in den Solopassagen, die virtuose Beherrschung der Instrumente durchblicken, gerade Gitarrist Yotam Rubinger fällt durch die beeindruckenden Soli auf. Und doch fehlt für ein sehr gutes oder gar perfektes Album, und nichts anderes war "Blood Lust" für Fans der o.g. Genres, die letzte Idee, das letzte bisschen Finesse. Wenn man es sich verkneift, das Album mit den Vorgängern zu vergleichen, hat man jedoch ein mehr als gutes Album, welches durch seine Zugänglichkeit vor allem Einsteigern in diese Art von Musik absolut zu empfehlen ist. Die Hard-Fans vom Onkel Acid sowieso. Alle anderen sollten reinhören und abwägen. (jh)

7/10