Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

URFAUST - The Constellatory Practice

VÖ: 04. Mai 2018
Ván Records

Entweder habe ich den absoluten Grundtenor von Urfaust nun begriffen oder ich bin ein kompletter Vollidiot. Wie auch immer. Beim Sinnieren, ob der neue Longplayer des undurchsichtigen Duos aus den Niederlanden nun nach dem Debüt oder dem Vorgänger oder doch nach irgendeiner EP klingt, stellte sich eine ganz andere Frage. Schreiben die beiden jetzt wirklich Songs oder sind sie exzellente Improvisatoren, die ihre besten Momente (und das waren in der Vergangenheit so einige!) für die Nachwelt vertonen?! Und da ist das Stichwort - Momente! Allein die Tatsache, dass Urfaust für Konzerte immer extra Shirts anfertigen, die auf das Event zugeschnitten sind, bestätigt diese "Moment"-Vermutung.
Und mit dieser neuen Herangehensweise ist der neue Longplayer "The Constellatory Practice" ganz anders (nicht immer besser) zugänglich. Man versteht die Titel und die entsprechende Vertonung besser. "A Course Through Cosmic Meditiation" greift die letzten beiden Wörter perfekt auf, hat aber eben weniger mit reiner Metal-Musik zu tun. Auch "Behind The Veil Of The Trance Sleep" ist in diesem Zusammenhang Urfaust pur, mir charakterlich aber zu esoterisch, wenngleich der Song mit Einsetzen der Drums zumindest wieder etwas mehr Form und Sinn annimmt. "False Sensoric Impressions" ist schlichtweg verstörend, also passend. Und wie der Opener "Doctrine Of Spirit Obsession" mit Urfaust-typischem Leitmotiv und der unerwarteten Verschiebung in noch quälendere Doom-Gefilde über seine 13 Minuten die Spannung hält, ist nur die Spitze dessen, was das gigantische "Trail Of The Conscience Of The Dead" anrichtet. Ein verzweifelt-trauriger "Moment" von 12 Minuten und 45 Sekunden mit groß klagenden Gesangsdarbietungen, harten Funeral Doom Bereichen mit einer tödlichen Lead-Gitarre und dann auch noch hoch erhabene Streicher-Passagen - dieser "Moment" ist wahrlich emotional überwältigend, inklusive seinem passenden Absturz ins Nichts. Dass "Eradication Through Hypnotic Suggestions" danach so klingt, wie es klingt, ist zwar nur allzu logisch, muss aber nicht zwingend gemocht werden. Denn diese letzten neuneinhalb Minuten zerren doch gewaltig an den Nerven, so dass ich als "irdischer" Schreiberling punktetechnisch leicht zurück rudere. Den hätte man echt weglassen können, aber als Mensch kann man gewisse Momente ja auch mal ausblenden … (sw)

8,5/10