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VAN CANTO - Metal Vocal Musical - Voices Of Fire

VÖ: 11. März 2016
earMUSIC

Van Canto werden in unserer Szene gerne mal belächelt, meistens unter der Argumentation, dass das ja "eigentlich kein Metal" sei. Der gemeine Metalhead kennt sie meist durch YouTube-Clips ihrer Acappella Coverversionen klassischer Metal-Hymnen wie "Fear Of The Dark" oder "Master Of Puppets", auf die die vier Sänger und ihr Schlagzeuger leider gerne mal reduziert werden. Zu unrecht! Seit 2006 haben sie sich mit ihren bislang fünf veröffentlichten Alben eine treue Fanbase ersungen und bewiesen, dass sie sich nicht hinter ihren Szenekollegen zu verstecken brauchen. Neben ihren Coversongs produzieren sie auch Eigenkompositionen, die oft von heroischen Schlachten und fantastischen Welten handeln. Vergleiche zu verschiedenen Power Metal-Bands liegen hier nahe und Van Canto werden gern als eine von ihnen gezählt. Kooperationen mit Größen des Genres, wie Sabaton oder Grave Digger, erledigen ihr übriges. Mit ihrem neuen Projekt gehen sie den Weg, den schon viele Power Metal-Bands vor ihnen bereitet haben: Ein Konzeptalbum, das eine epische Fantasy-Geschichte erzählt.
Für ihr Crossmedia-Projekt "Metal Vocal Musical", das nach eigener Aussage bereits seit sechs Jahren in der Mache ist, haben Van Canto mit dem deutschen Bestseller-Autor Christoph Hardebusch (u.a. "Die Trolle") zusammengearbeitet, um eine fantastische Hintergrundwelt zu erschaffen. Sämtliche Songs wurden Hand in Hand mit ihm geschrieben und komponiert, während er unter diesem kreativen Einfluss den dazugehörigen Roman mit dem Titel "Feuerstimmen" verfasste. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit liegt nun mit dem Album "Voices Of Fire" vor. Wie klingt es nun?
Den Höhepunkt des Albums gleich vorweg: Neben den Songs gibt es auch einen gesprochenen Prolog, Epilog und Zwischenspiele, die die Geschichte um die Songs erzählen. Und diese werden von niemand Geringerem eingesprochen, als von John Rhys-Davis, den meisten wohl besser bekannt als Gimli aus der"Der Herr der Ringe"-Filmreihe. Seine ruhige und dennoch kraftvolle Stimme verleiht den Texten die nötige Portion Epicness und man kauft ihm jedes Wort ab. Leider führt das auch schon zu dem ersten Problem mit dem Album: Die Wechsel zwischen Zwischenspielen und Songs sind einfach zu krass. Im einen Moment ist man von Rhys-Davis Stimme gefangen, im nächsten Moment erschreckt man sich, weil plötzlich ein lauter Song dazwischen grätscht. Die Übergänge hätten hier fließender sein können. Der erste Track "Clashings On Armour Plates" wurde bereits vorab mit einem Lyric-Video online veröffentlicht und gibt einen guten Eindruck, wohin die Reise geht. Van Canto sind in Höchstform und machen das, was sie am besten können: Epische Chorgesänge und schnelle Beats in bester Power Metal-Manier. Die Zusammenarbeit mit dem London Metro Voices Chor steigert diesen Eindruck nochmal deutlich im zweiten Track "Dragonwake", welcher für mich der stärkste Song des Albums ist. Danach macht sich der Londoner Chor aber überraschend rar oder tritt zu sehr in den Hintergrund. Der Rest des Albums hält das vorgegebene Niveau recht gut aufrecht, bevor es am Schluss mit dem Bonustrack "Hymn" noch einen überraschenden Höhepunkt serviert. Insgesamt macht das Album einen soliden Eindruck, jedoch musste ich feststellen, dass auch nach mehrmaligem Hören nicht ein Song bei mir hängengeblieben ist. Es sind nur vereinzelte Momente, an die ich mich erinnere, wie der Chor bei "Dragonwake", als der Drache erwacht, oder wie ich bei "Battleday's Dawn" im Refrain jedes Mal "It's Saturday!" anstatt "It's Battleday!" verstehe. Bei jedem neuen Hördurchgang denke ich mir: "Ach ja, dieser Song, der ist eigentlich ganz cool.". Aber nach ein paar Minuten habe ich ihn dann schon wieder vergessen. Deswegen kann ich "Voices Of Fire" auch leider keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Möglicherweise hatte ich einfach falsche Erwartungen an das Album, immerhin handelt es sich hier nicht um das nächste Album von Van Canto, sondern um ihr neues Projekt "Van Canto - Metal Vocal Musical". Von daher kann ich "Voices Of Fire" nur wirklichen Fans empfehlen. Alle anderen können lieber nochmal in die alten Alben reinhören oder sich eine Coverversion auf YouTube anhören. (hlq)

5,5/10