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VARG - Rotkäppchen (EP)

VÖ: 09. Oktober 2015
Napalm Records

Schon gleich auf den ersten Sekunden der Scheibe, mit der Neuauflage des Varg-Klassikers "Rotkäppchen", beschleicht mich ein seltsames Gefühl. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Am liebsten aber wohl letzteres. Die ersten Töne gibt in allen neu aufgelegten Versionen des Stücks "Rotkäppchen", eine hell furzende Marsch-Tuba an, die zusammen mit einer kleinen leicht schrägen Ziehharmonika-Tonfolge am Ende der zwei Takte, etwa den nervtötenden Charme der Jeopardy-Melodie weckt und zu allem Überdruss auch zwischendurch immer wieder aufgegriffen wird. Ansonsten ist die neue Version ein wenig an den aktuellen Stil der Band angepasst. Nach dem kurzen Deutschrock-Ausflug auf dem Album "Guten Tag", leiht man sich nun Stilelemente des Hard- oder Metalcore, inklusive Gangshouts. Glücklicherweise folgen auf "Rotkäppchen 2015" erst einmal zwei Songs, die wohl als Vorgeschmack auf das kommende Album dienen sollen. "Ein Tag wie heute" hat angenehmerweise starke Ähnlichkeiten an diverse Stücke des "Wolfskult"-Albums, ich denke da konkret an "Phönix" und vor allem "Glorreiche Tage". "Abendrot" schlägt in eine ähnliche Kerbe, kommt aber etwas langsamer daher und hat die bereits erwähnten Einschläge in den Metalcore. Wenn ich schon sage "Ein Tag wie heute" klingt tonal wie "Glorreiche Tage", dann kann ich auch zurecht behaupten, dass "Abendrot" die lyrische Analogie dazu ist. "Und wenn ich morgen sterbe, dann werd ich nicht bereu'n" und "Und bin ich alt, dann hab ich gut gelebt, nichts bereut und nach dem Glück gestrebt" liegen thematisch auf jeden Fall sehr nahe beieinander. Beides sind in jedem Fall recht gute Songs, die die Qualität der EP beträchtlich anheben.
Nach diesem kleinen Ausblick auf die Zukunft geht es dann wieder schonungslos mit der Furzmaschine weiter.
Direkt hintereinander werden einem nun gleich vier Alternativ-Versionen von "Rotkäppchen 2015" und die ursprüngliche Aufnahme von 2011 um die Ohren gehauen. Mit jedem Mal kommt mir die Tuba penetranter vor. Die englischsprachige Version soll wohl "witzig" gemeint sein, da anstelle des "Großmutter"-Monologs hier nun eine Aufzählung verschiedener "sausages" steht. Textlich holpert die Übersetzung und man merkt sehr stark, dass das irgendwie nicht so ganz funktioniert und einzig die Stimme Chris Bowes dem ganzen einen leicht humoristischen Charme aufzwingt. Die norwegische Version mit Kollegen von Trollfest wirkt dafür sehr gelungen, glaubwürdig und außerdem nett grunzig. Fast, als müsste man nun noch ein letztes Mal daran erinnern, wie es eigentlich klingen sollte, folgt nun die Original-Version von 2011, die ich unkommentiert lasse - sollte man ja kennen. Und dann geht es langsam dem Ende entgegen. Langsam darf man in dem Fall ruhig groß schreiben...
Es folgt eine Karaoke-Version der Neuauflage inklusive Furz-Tuba. Hat man diese dann Überstanden, darf man sich auf "Rotkäppchen im Bierzelt" "freuen". Kein Mensch weiß, was man sich dabei gedacht hat, aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser "Song" Potenzial hat, die Cantina-Band (in der 10-Stunden-Version) auf den Zeltplätzen der großen Festivals abzulösen. Zwei Takte in Dauerschleife. Die Tuba gibt ihre schönsten Töne von sich und die Ziehharmonika tut ihren Teil dazu. Ich könnte noch verstehen, wenn man das aus Spaß vielleicht eine Minute oder zwei aufgenommen und auf die CD gepresst hätte, allerdings treibt man es hier mit fast 17 Minuten nerviger Eintönigkeit echt auf die Spitze der Verschwendung von CD-Laufzeit. Traurig, dass das dann auch noch über ein Drittel der Gesamtspielzeit einnimmt. Daraus kann man eigentlich nur ein Fazit ziehen: Die beiden Alternativ-Versionen sind ganz okay, aber nicht überragend. Die neuen Songs sind gut. Der Rest ist leider rausgeschmissenes Geld und die Platte daher nur etwas für echte Die-Hard-Fans von Varg, die sich auch leere Zigaretten-Schachteln der Band in einen Schrein stellen.(cl)

4/10