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VENENUM - Trance Of Death

VÖ: 17. März 2017
Sepulchral Voice Records

Da ist es nun also. Jenes Debütalbum, das vom (deutschen Death Metal-)Underground in diesem Jahr so sehnsüchtig erwartet wird, wie wohl kaum ein zweites. Und doch kam es jetzt alles etwas unverhofft. Die letzten sechs Jahre nach der schlicht mit dem Bandnamen betitelten EP - der bisher einzigen Veröffentlichung des bayerischen Vierers - waren sehr rar mit Infos und News gesät. Eine Facebook-Seite existiert gar nicht erst, Homepage und Bandcamp-Seite glänzten eher durch Minimalismus. Und plötzlich steht mit "Trance Of Death" ein Album vor der Tür, das eine Durchschlagskraft an den Tag legt, mit der wohl nicht unbedingt jeder gerechnet hätte.
Die sechs Songs (sieben mit Intro) lassen sich dabei in zwei Teile unterteilen - was man selber auch tun sollte, da sie recht unterschiedlich sind. Auf der Vinyl-Version sind diese beiden "Teile" somit auch auf die beiden Seiten verteilt, was im Presseinfo sehr passend umschrieben wird: "On the A-side they kill, on the B-side you die.". Heißt im Klartext: Die erste Hälfte des Albums - bestehend aus "Merging Nebular Drapes", "The Nature Of The Ground" und "Cold Threat" - bietet die volle Packung angeschwärzten Death Metal. Roh und brutal und dennoch in Sachen Songwriting mit Köpfchen - mancher mag hier vielleicht sogar von progressiv sprechen. Wer seinen Death Metal in mund- (bzw. ohr-)gerechten Stückchen serviert bekommt, dürfte hier vermutlich überfordert werden. Hin und wieder gleitet man gar in fast schon post-rockige Gefilde ab. Wer diesen Frontalangriff überstanden hat, dem präsentieren sich Venenum in der zweiten Hälfte von einer anderen Seite. Die gut 26-minütige "Trance Of Death"-Trilogie ("Reflections", "Metanola Journey ", "There Are Other Worlds … ") erzeugt eine ungeahnte Sogwirkung, die einen immer tiefer in den Abgrund zieht. Hier wird mit Spannungsbögen, Tempowechseln und Wendungen gearbeitet, dass es eine wahre Freude ist - ohne dabei den Hörer jedoch völlig zu überfordern. Höhepunkt ist dabei sicherlich der rein instrumentale, fast schon "besinnliche" Mittelteil "Metanola Journey ", der mit seinen traumhaften Melodien eine trügerische Sicherheit (und bei mir wohlige Gänsehaut) verbreitet und somit eine perfekte Stimmung zum finalen "There Are Other Worlds …" aufbaut.
Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass dieses Debütalbum richtig gut werden wird. Dass "Trance Of Death" allerdings ein solch monumentales und kongeniales Meisterwerk werden würde, das bis zu den tiefsten Urängsten vordringt und emotional so packend und aufwühlend ist, hatte ich so und in dieser Form absolut nicht erwartet. Ein ganz heißer Anwärter auf den Titel "Album des Jahres"! (maz)

9,5/10