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36 CRAZYFISTS - Time And Trauma

VÖ: 20. Februar 2015
Spinefarm Records

Nach vier (fast fünf) Jahren endlich neues Material! Dass das letzte Album "Collisions And Castaways" nun wirklich schon so lange zurück liegt, ist mir persönlich gar nicht so bewusst gewesen und fiel mir auch erst auf, als ich die Diskographie der Gruppe recherchiert habe.
Ich muss zugeben, dass ich mich schon ziemlich gefreut habe, nachdem ich die ersten beiden Langspieler "A Snowcapped Romance" und "Bitterness The Star" wirklich rauf und runter gehört habe. Gerade ersteres Album begleitet mich auch heute noch regelmäßig auf längeren Autofahrten und generell habe ich immer "Destroy The Map" in der Playlist, sollte ich doch einmal auf einen Mp3-Player angewiesen sein.
Aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema: "Time And Trauma", so heißt das inzwischen siebte Album der Band aus Alaska, ist leider völlig hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Vom Label wird hier eine Rückkehr zu dem Sound angepriesen, der die Band schon seit Jahren definiert und etabliert. Das klingt zwar erst einmal sehr nett und verspricht ein Album im Stile der früheren und mittleren Werke. Aber wie das häufig bei Werbung ist (nüchtern betrachtet, macht das Label ja nichts anderes), wird hier Augenwäscherei (besser Ohrenwäscherei) vom Feinsten betrieben. Ich kann - und das ist meine persönliche Meinung - keinerlei Verbindung zu früheren Werken sehen und auch der Sound der Scheibe in seiner Gesamtheit, ist mehr als nur gewöhnungsbedürftig. Auch nach mehreren Anläufen kann "Time And Trauma" überhaupt nicht zünden. Songs wie zum Beispiel "Also Am I" haben sich zwar inzwischen zu einem durchschnittlichen Ohrwurm entwickelt, würden aber auf früheren Alben nur zu den unspektakulären Lückenfüllern gehören.
Lange musste ich überlegen, was mich denn nun wirklich so sehr an dem Album stört. Das Album hat, wie oben bereits erwähnt, schon einige Durchläufe hinter sich, aber erst heute ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Während auf dem Vorgänger "Collisions And Castaways", der noch ein echtes Brett im Bereich
Emocore/Metalcore darstellt, Drummer Thomas Noonan in der Ballerburg sitzt, hat man in der Zwischenzeit mit Kyle Baltus einen neuen Schützenkönig engagiert und auch den alten Bassisten Mick Whitney, jeweils im Jahr 2012, wieder ins Boot geholt. So bedient man sich in der Rhythmusfraktion auf der neuen Scheibe also augenscheinlich, zumindest beim Schlagzeug, an einer neuen Besetzung. Der Bassist Whitney hatte die Band bereits zuvor schon über einige Jahre begleitet und ist nun wieder im Kader. Auf jeden Fall gibt es da irgendetwas, dass Noonan richtig gemacht hat und was Baltus überhaupt nicht beherrscht. Die Drums auf "Time And Trauma" klingen durch die Bank weg uninspiriert, geradezu gelangweilt.
Langeweile ist übrigens ein roter Faden, der sich durch das komplette Album zieht: Die Arbeit, die da an der Gitarre verrichtet wird, ist da keine Ausnahme. Wer nicht genau hinhört, der bekommt schnell den Eindruck, dass das ganze Album nur ein einziges Riff bekommen hat und auch die Bandbreite der verwendeten Akkorde scheint sehr eng gesät.
Der Gesang kommt auch meist nicht über ein verhaltenes nasales Gejammer hinaus und wird zu allem Überdruss teilweise noch mit einer weiteren Tonspur, einer Art "spoken word"-Aufnahme, überlagert (am besten zu hören in "Sorrow Sings"). Das passt klanglich einfach nicht und macht die Voclas anstrengend und unangenehm.
Wenig Abwechslung und Vielfalt also, die ja gerade in der Vergangenheit echte Markenzeichen der Jungs aus Alaska waren und daher, zumindest bei mir, guten Anklang gefunden haben.
Einzelne Momente bringen dann doch ein wenig Abwechslung in das Triste Gesamtbild. In "Lightless" zum Beispiel, wird gut das Tempo angezogen und ein wenig aus der Lethargie ausgebrochen. Der Song hat starke Punk-Einflüsse, macht das Album aber dennoch nur wenig besser und gehört neben "Silencer" und "Also Am I" zu meinen persönlichen Anspieltipps.
Zu guter Letzt mangelt es der gesamten Produktion ein wenig an Druck und es fehlt deutlich an Dynamik. Dieser wichtige Punkt rundet das schlechte Gesamtbild noch ein wenig nach unten ab. (cl)

4/10