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A TRIBUTE TO RONNIE JAMES DIO - This Is Your Life

VÖ: 28. März 2013
Warner Music

Kleiner Mann, ganz groß! Und das auch noch lange nach seinem Ableben. Das macht dieses mit reichlich Prominenz gespickte Tribute Album überdeutlich klar. Es ist so verdammt schwer, die weltweit einzigartige Magie, die Ronnie James Dio in der Stimme hatte, angemessen zu "reproduzieren". Auch das zeigt dieses Album. Ich möchte versuchen, das Ganze so angemessen wie möglich zu beurteilen, aus Respekt vor Dio und dem Mut der hier vertretenen Künstler, die sich solch eine große Aufgabe vorgenommen haben. Dass der Fokus dabei ganz klar auf der Stimme liegt, brauche ich wohl nicht erwähnen …
Anthrax machen mit "Neon Knights" eine recht gute Figur, wobei mich Joey Belladonna doch etwas überrascht im Gegensatz zu den "Heaven & Hell"-Live-Versionen, die kurz nach Dio's Tod im Netz kursierten.
Erste Überraschung allein durch den Interpreten ist "The Last In Line" von Tenacious D! Das Ding rockt, hat zumindest etwas Tiefgang und Jack Black macht sich als Sänger einer Dio-Linie doch recht gut. Dabei dachte ich in der Papierform erst an ein "bitte nicht!". Man kann sich täuschen.
Adrenaline Mob covern - wen wundert's - "The Mob Rules". Der Sound wirkt zeitgemäß rockig und über die Qualitäten von Russel Allen brauche ich wohl nichts zu sagen. Kein Dio, aber ein echter Könner.
Nächste Überraschung ist "Rainbow In The Dark", welches würdevoll von Slipknot/Stone Sour-Sänger Corey Taylor intoniert wird. Dass er immer besser singt, wissen wir ja. Und hier hält er sich respektvoll an das Original, lehnt sich dabei aber nie zu stark aus dem Fenster. Sehr gut!
Zu "Straight Through The Heart" von Halestorm kann ich weniger sagen, da ich ehrlich gesagt nicht weiß, was die Band von Haus aus so treibt. Frontfrau Lzzy Hale klingt authentisch, hat eine respektable Stimme, aber Dio-Magie höre ich hier nicht.
Wenn sich zwei große Eigenständigkeiten wie Motörhead und Saxon-Fronter Biff Byford zusammen tun, klingt auch ein "Starstruck" genau nach den Genannten. Ein schicker Rocker, der halt mehr was von Eigengewächs hat.
Die Scorpions ("Temple Of The King") und Doro ("Egypt") machen es sich meiner Meinung nach etwas zu leicht und haben sich offensichtlich Songs ausgesucht, die in dieser Form eher nach ihnen selbst, als nach einer Dio-Verehrung klingen. Mag an den Stimmen liegen, aber nach Dio-Magie klingt das leider ebenfalls beides nicht.
Über die "Holy Diver"-Version von Killswitch Engage haben sich die Traditionalisten bereits 2007 das Maul zerrissen. Mir persönlich gefallen einfach die Scream-Elemente in der Mitte nicht. Aber mal im Ernst - so schlecht ist die Version und ganz besonders die Stimme von Howard Jones nun echt nicht.
Glenn Hughes (verstärkt durch Simon Wright, Craig Goldy, Rudy Sarzo und Scott Warren) gibt sich gefühlvoll bei "Catch The Rainbow", ist aber gesanglich ebenso eigenständig, wie z.B. ein Biff Byford. Trotzdem schön zu hören.
Bei "I" wird es richtig interessant. Eine eigens für diesen Sampler zusammengestellte Band präsentiert hier ein echtes Highlight. Bassist Jimmy Bain als Weggefährte von Dio, Gary Moore und auch Phil Lynott, Gitarrist Rowan Robertson spielte auf Dio's "Lock Up the Wolves" und Drummer Brian Tichy mit irre vielen Arbeitgebern (Billy Idol, Ozzy Osbourne, Whitesnake, Foreigner, Velvet Revolver u.a.) bilden das Fundament für Lynch Mob-Sänger Oni Logan, der hier fast die beste Performance der CD abliefert. Da war ich zum ersten leicht sprachlos.
Leider bin ich das auch (nur aus ganz anderen Gründen) bei "Man On The Silver Mountain", der dem guten Rob Halford irgendwie gar nicht steht. Da hilft es auch nicht, dass ihm Vinny Appice, Doug Aldritch, Jeff Pisoln und Scott Warren zur Seite stehen.
Den Vogel schiessen - je nach Sichtweise - aber Metallica ab. Im Stile ihres "Mercyful Fate"-Medley von "Garage Inc." gibt es hier das "A Light In The Black"-Riff als Startschuss, dann ein bisschen "Tarot Woman", welches man sich meines Erachtens nach perfekt für den eigenen Sound zugeschnitten hat, um am Ende "Kill The King" vollständig rauszuhauen. Im Gegensatz zu Rob Halford kennt James Hetfield seine Stimme wohl besser, ignoriert die höhere Lage nach dem Solo komplett, um sie eben normal weiter zu singen und schmettert das Ding Hetfield-like mit so viel Herz und Verehrung, dass ich den Metallicats neben "I" den Hammer des Albums bescheinigen kann.
Zumindest was die Cover-Versionen betrifft. Denn am Schluss kommt Dio selbst noch mal zu Wort und muntert uns postum mit "This Is Your Life" auf. Eine so kleine, ergreifende Performance eines kleinen Mannes mit einer gewaltigen Stimme, die dann doch wieder alle 13 vorangegangenen Tracks in den Schatten stellt. Womit ich wieder zum Anfang des Reviews zurückkehre. Kleiner Mann, ganz groß! Jetzt und für immer - R.I.P., Ronnie! (sw)

(höchst respektvoll) ohne Wertung