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BRITISH STEEL (Various Artists)

The Rising Force Of British Heavy Metal

VÖ: 22. September 2017
Dissonance Productions

Manche sind eben zu spät geboren für die damalige NWOBHM. Da hat das Entdecken der Selbigen eine etwas andere Wirkung, als das livehaftige "dabei sein". Bei der neuen Welle fühle ich mich zwar auch nicht unbedingt mittendrin (eigene Präferenzen, Veröffentlichungsflut, usw.), aber live dabei zu sein, wenn diese neue Welle feinsten Briten-Stahls sich über die Szene ergiesst, hat schon was. Und ich stelle fest, wie wertvoll diese Art Sampler auch heute noch sind. Sonst wäre ich womöglich nie in den Genuss einiger doch sehr rabiater Ohrfeigen gekommen. Der Reihe nach.
Amulet starten mit "Highwayman". Wie seinerzeit beim "Very 'Eavy"-Sampler, sind sie mit an der Entstehung dieses Werkes beteiligt und werfen mit ihrem Song die Frage auf, warum eigentlich nur Night Demon derzeit so dermaßen hoch gehandelt werden. Aggressive Perfector verwirren mich aufgrund ihres Namens, hat "Harlot's Spell" doch einen an "Holy Diver" angelehnten Beginn und bleibt eher auf klassischer Basis, obwohl der Song zügiger wird. Eliminator geben sich mit "Lost To The Void" als derbe Old School tönender Iron Maiden-Fast Klon, auf den man nur können muss. Verkehrt machen sie ja nichts. Die erste Ohrfeigen kommt von den Speed Thrashern Dungeon, die mich mit einem pfeilschnellen, aber präzisen "Queen Of Sin" überzeugen. Nur die kurzen Versuche des Sängers, Schmier-Screams zu integrieren, missfallen. Über Dark Forest (mit einem Auszug aus ihrem aktuellen Album "Beyond The Veil") brauche ich wohl kaum etwas sagen - großartig! Toledo Steel - "Rock Nights". Klingt platt, ist platt, ist aber gut für den traditionsversessenen Headbanger, der Accept und Judas Priest inhaliert. Vuil sind auch platt, aber ihre "Iron Witch" hat eine höllische Energie, der man sich nicht entziehen kann. Als würden Midnight einen alten Saxon-Song mit einem wahnsinnigen Giftzwerg am Mikro covern - geil! Nächste Überraschung: die Seven Sisters. Ihr letztjähriges selbstbetiteltes Debüt war schon eine Granate, aber dass die neuen Vorzeige-NWOBHM-Boys mit "The Witch's Eye" eine dermaßen zackige Nummer raushauen, hatte ich nicht erwartet. Insurgeny böllern mit "Destined For Death" danach richtig derbe durch die Kajüte … was wäre eigentlich passiert, wenn Venom damals weiter an sich "gefeilt" hätten, ihre Instrumente besser beherrschten und sich dabei charakterlich noch tiefer ins Grab eingraben?! Mit Neuronspoiler geht es wieder zurück zu klassischem Metal, ihr Sänger hat sich irgendwo eine ganz kleine Scheibe von Harry "The Tyrant" Conklin genehmigt und "Slay The Beast" macht zumindest mich neugierig auf das im Oktober erscheinende Debüt. Den Abschluss geben uns Wytch Hazel, die mit "Freedom Battle" rein objektiv alles richtig machen, mit ihrem Mix aus NWOBHM und Folk Rock aber immer noch nicht meine Baustelle sind. Man kann eben nicht alles.
Fazit: Gar nicht auszudenken, welche Bands (Dungeon, Vuil) und Songs (Seven Sisters) ich verpasst hätte, wenn es diesen Sampler nicht geben würde. Der Rest ist mindestens gut oder eben Ansichtssache. Aber wer trotz Brexit weiter über britische Exporte mitreden möchte, sollte sich diesen Sampler schon zulegen. (sw)

8,5/10