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WARDANCE - Heaven Is For Sale (Re-Release)

VÖ: 17. September 2018
Dying Victims Productions

Selbst dabei war ich seinerzeit nicht, aber recherchiert man mal ein wenig, findet man in der Retrospektive schnell heraus, dass der einzige Wardance-Longplayer "Heaven Is For Sale" aus dem Jahr 1990 ein ganz schön zweischneidiges Schwert auf mehreren Ebenen ist.
Speed Metal aus Landau (bevor die Kinder dick wurden …), der teils ganz normal mitläuft, aber auch mal etwas mehr zu sagen hat. Vielleicht etwas trocken produziert, im Endeffekt aber immer wieder angenehmer, als die ganzen voll gekleisterten "Über"produktionen der heutigen Zeit. Auf instrumentaler Ebene konnte das Quintett schon einiges vorweisen, die Bass-Einlage in "Destroyer" dürfte live ein echter Hingucker gewesen sein. Ein weiteres großes Plus ist das phantastische Cover von Andreas Marshall - perspektivisch eine absolute Augenweide.
Knackpunkt deluxe ist jedoch - damals wie heute - der Gesang von Frontfrau Sandra Schumacher. Die einen nennen es schlichtweg dilettantisch und fernab von Gut und Böse, die anderen mögen und anerkennen das "Unverbogene", das "Natürliche". Ich für meinen Teil habe meine "Probleme" mit dieser Schmalspurmischung aus Doro und Cyndi Lauper auf einem Übergangsniveau zwischen Ende der Schulzeit und Beginn in einer Punkband, die viel mehr Bock auf Metal hat. Klingt böse, ist aber eben reine Geschmackssache. Aus rein instrumentaler Sicht findet man an Speedies wie "Destroyer", "Neverending Nightmare" oder "Don't Play With Fire" sehr schnell Gefallen. Wenn bei "I Don't Love You Anymore" aber die erste Zeile "Don't Look At Me With Your Bedroom Eyes …" um die Ecke kommt, renne ich schreiend weg. Schlimmer ist nur noch die Sauerei, die mit dem The Animals-Cover "House Of The Rising Sun" veranstaltet wurde.
Als Bonüsse gibt es einige (aber nicht alle) Songs von der 1988er "Crucifixion"-EP und dem 1994er "Dance To The Beat Of Life With The Spirit Of Youth"-Demo, wo mich "Die unendliche Geschichte" wieder zum Schaudern animiert. In deutscher Sprache wird hier Kindesmissbrauch zum Thema gemacht (leider immer noch aktuell), textlich aber sehr umgangssprachlich bearbeitet und instrumental gesehen auch nicht mit der emotional passenden Basis. Was nützen da die allerbesten Absichten, wenn die Umsetzung eher zum Fremdschämen einlädt.
Kann man natürlich alles so oder so sehen. (sw)

6,5/10