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W.A.S.P. - Golgotha

VÖ: 02. Oktober 2015
Napalm Records

Ohne Scheiß, während der Rest der Metalwelt anscheinend nur auf die aktuellen Releases von Maiden und Slayer warteten, stand bei mir die neue W.A.S.P. ganz oben auf der Liste. Das letzte Album "Babylon" liegt ja schon geschlagene sechs Jahre zurück, aber deutete bereits mehr als nur an, dass es aufwärts geht. Auch wenn man sagen muss, dass W.A.S.P. eigentlich nie ein richtig schlechtes Album rausgebracht haben, aber dass man mit "Golgotha" wahrscheinlich das beste Album seit "Crimson Idol" rausgebracht hat - alter Verwalter!
"Golgotha" ist hebräisch und bedeutet "Die Stätte der Schädel", welches der Ort ist, an dem Jesus Christus gekreuzigt wurde. Da Blackie Lawless eigenen Aussagen nach wieder zum Glauben gefunden hat, findet sich das Thema natürlich auch in den Texten wieder, allerdings nie aufdringlich und mit erhobenen Zeigefinger (über Satan singen ist natürlich viel cooler). Der Opener "Scream" ist ein urtypischer W.A.S.P.-Rocker, sofort fällt der sehr gute Sound auf (war auch nicht immer selbstverständlich) und als der Gesang von Blackie Lawless erklingt, schießen die Haare auf meinem Arm in die Höhe - ein grandioser Anfang. Das anschließende "Last Runaway" ist ein sehr eingängiger, melodiöser Song und hat fast was von Springsteen oder Bon Jovi zu "New Jersey"-Zeiten, natürlich trotzdem noch 100% W.A.S.P. und Bon Jovi würde seinen rechten Arm geben, wenn er noch einmal so eine Nummer schreiben könnte. "Shotgun" hält das hohe Niveau und ich frage mich immer wieder, wie Blackie Lawless es schafft, diese unglaublichen Melodien aus dem Ärmel zu schütteln. Mit "Miss You" folgt dann eine Ballade und lässt mich erst einmal durchatmen, die Gänsehaut hält an, ebenso die gefühlvollen Momente, seit jeher schon eine Stärke der Band. Wenn nach "Slaves Of The New World Order" nach vier Minuten das Tempo angezogen wird und ein grandioses Solo erklingt, kann ich nicht mehr auf meinem Arsch sitzen bleiben und hole meine Luftgitarre aus dem Schrank - geile Nummer in der "The Great Misconceptions Of Me" Tradition. Das Level bleibt im oberen Bereich, wenn "Hero Of The World" mit seinem Refrain erklingt, auf jeden Fall Kategorie Hymne. Der Titeltrack "Golgotha" zieht nochmal alle Register und schickt den Hörer auf eine akustische Gefühlsachterbahn (okay, den Satz habe ich geklaut), ganz großes Kino, das zum Schluss mit einem schönen langen Gitarrensolo abgerundet wird.
Meister Lawless hat ja den Ruf recht schwierig zu sein - drauf geschissen. Wie viele von solchen Typen haben wir denn noch bitte? Wirklich kennen tut ihn keiner, will man ihn kennenlernen, findet man ihn in seinen Texten wieder, sagte er in einem Interview. Auf der Rock Hard Facebook Seite hatte dieser übrigens mit der W.A.S.P. Titelstory in der neuen Ausgabe geworben (Interview, Seziertisch, usw.), übrigens sehr gelungen. Trotzdem hatten manche nur Kommentare über B. Lawless angeblich zugelegte Leibesfülle übrig und meinten sich darüber lustig machen zu müssen. Ihr erbärmlichen Vollpfosten, was hat das bitte mit der Musik zu tun? Babymetal ist mehr Metal, als ihr es je sein werdet. Mal schauen auf was ihr zurückblicken könnt, wenn ihr sechzig Jahre alt seit. Allerdings bekommt ihr dann wahrscheinlich euren fetten Arsch nicht mehr vom Sofa hoch, um eure vollgestaubte Helene Fischer-CD aus dem Regal zu holen.
Ein Meisterwerk, ohne Wenn und Aber! (tf)

9/10