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WHILE SHE SLEEPS - You Are We

VÖ: 21. April 2017
Arising Empire

While She Sleeps haben eine ganz eigene Art, ihre Musik rüberzubringen. Und auch früher schon, war die Musik immer eine Mischung aus Liebe und Hass. Liebe, weil die Band oft genug technisch gute und abwechslungsreiche Knüller auf eine Platte pressen und sich über die gesamte Breite des Albums keine Langeweile einstellt. Doch manchmal kann man einfach nicht die Kraft finden, um sich ein ganzes Album anzuhören, denn wie bei wenig anderen Bands habe ich bei While She Sleeps das Gefühl, dass es auch anstrengend ist, der Musik zu folgen. Die vielen Tempowechsel vermitteln ein unterbewusstes Chaos, dass sich aber nur schwer greifen lässt. Mit seiner rauchig-kratzigen Stimme trägt auch Frontmann Lawrence Taylor seinen Teil zur Unruhe des Albums signifikant bei. Denn stimmlich wirkt er die ganze Zeit schwebend zwischen Geschrei und Gesang und bleibt somit auch wieder ungewohnt und etwas gewöhnungsbedürftig.
Und ich glaube, diese Mischung aus Irritation und Eigenart haben dazu beigetragen, dass While She Sleeps nun seit zehn Jahren die Hallen der Welt unsicher machen. Und nun steht "You Are We" als Ergebnis dieser zehnjährigen Reise bereit und vermittelt den "While-She-Sleeps-Eindruck" geradezu essentiell. Man ruht sich nicht auf einer Melodie aus, die man dann einen Song lang wiederholt, sondern - wie im Beispiel des Songs "Wide Awake" - spielt man mit den unterschiedlichsten Facetten musikalischer und lyrischer Atmosphärengestaltung. Allein dieser eine Song hat mehr emotionalen Tiefgang, als ein ganzen Attila-Album.
Und auch wenn man allgemein ein sehr Metalcore-artiges Gefühl mit dem Album hat, so setzt sich das Album in vielen Punkten aus so unendlich vielen Genres zusammen, dass man eher von einem gefühlten, als einem klaren Genre sprechen muss. Insgesamt wirkt es wie ein Album, dass man eher fühlen, als wirklich auseinandersezieren kann. Es hat so viele kleine und große Aspekte, die nur als Gesamtbild eine klare und manchmal auch nicht ganz so klare Struktur erzeugen. Daraus folgt, dass man eben manchmal auch das Empfinden haben kann, dass es irgendwie gar keine richtige Struktur hat. Wäre es ein Gemälde, würde man meinen, es wäre expressionistisch. (zeo)

7/10