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WITCH MOUNTAIN - Witch Mountain

VÖ: 25. Mai 2018
Svart Records

Witch Mountain ist eine Doom Metal Band aus den USA. Der eine oder andere dürfte bei dieser simplen Kategorisierung einen bestimmten Sound im Ohr haben. In diesem Fall ist das eine große Fehleinschätzung, denn Witch Mountain klingen sehr unamerikanisch. Die neue Sängerin Kayla Dixon ist seit 2014 dabei und mit aktuell 23 Jahren nur wenig älter als die Band selbst. Was man aber ohne Übertreibung sagen darf: Kayla fügt mit ihrer Stimme dem Sound der Band eine Niveaustufe und eine Stärke hinzu, die wirklich beeindruckend ist. Während die 2014er Platte "Mobile Of Angels" mit der ex-Sängerin schon eine ordentliche Hommage an den psychedelischen, naturverbundenen Hippie-Doom war, ist die Stimme von Kayla eine Offenbarung, vor allem im Song "Hellfire". Dabei ist der Klargesang sehr dominant, der gutturale Gesang wirkt ein wenig zu sehr gedrückt, gewollt, gemusst. Mountain Witch würden auch ohne Screams auskommen. Das ist aber nicht schlimm, auch diese Seite der Sängerin kommt gut zum Vorschein. Vielleicht war es insgesamt eine gute Idee, mit der neuen Sängerin in den letzten Jahren schon ausgiebig zu touren, bevor das erste Album mit der neuen Stimme veröffentlicht wurde.
Instrumental hat sich die Band wenig verändert, die Songs bleiben bluesig-riffig, vielleicht etwas aggressiver als noch auf den Vorgängeralben. Nathan Carson and Rob Wrong sind für ihr gutes Songwriting bekannt, sichtbar auf "Mountain Witch" vor allem im 14-Minuten-Epos "Nighthawk". Auch "Mechanical World" ist interessant: Insgesamt klingt der ganze Track sehr 90er-Gloomy, mit einem Anfangsriff, das so gar nicht Doom sein möchte. Auch hier ist die Stimme von Kayla ganz deutlich weiter im Vordergrund, als noch zu Zeiten der ex-Sängerin Uta Plotkin. Ein wenig liefert der Track Munition für das Argument, Mountain Witch wären poppiger geworden, aber der Rest der Platte ist ein eindrucksvoller Gegenbeweis.
Die Doom-Veteranen liefern auf "Witch Mountain" souverän ab, bleiben mit 35 Minuten allerdings verdächtig kurz. Ein oder zwei Tracks mehr hätten sicherlich auf die Scheibe gepasst. Andererseits sind die einzelnen Songs auf der Platte so unterschiedlich, dass kaum vorstellbar ist, was zwischen diese Doom-Monolithen noch passen würde. Ein echter Tipp für Hörer, die auf eine hohe musikalische Bandbreite und sorgfältig komponierte Songs stehen. (jh)

8/10