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YE BANISHED PRIVATEERS - First Night Back In Port

VÖ: 30. Juni 2017
Napalm Records

Da ich von genannter Truppe noch nie etwas gehört hatte, war mein einziger Beweggrund dieses Review zu schreiben, das Piratenthema, dass sich Ye Banished Privateers wortwörtich auf die Fahne geschrieben haben. Mit Piraten-Klamauk bekommt man mich fast immer.
Bis auf das Piratengehabe muss man aber noch eine Besonderheit der Truppe aufzeigen. Diese besteht nämlich aus sage und schreibe 30 (in Worten: dreißig) Mann Besatzung und sprengt damit schon fast den Rahmen einer klassischen Big Band. Die Auftritte auf kleineren Bühnen dürften sehr amüsant sein, ebenso amüsant dürfte die Aufteilung der Gage unter den einzelnen Mitgliedern aussehen. Aber darüber möchte ich nicht weiter fantasieren. Ähnlich bunt wie das Außenbild der Piratenmannschaft, ist auch deren musikalische Ausprägung. Wer nun auf Metal oder gar Punk Rock mit Folk und Piraten oder Seemannsthemen hofft, der sollte auf der Stelle aufhören zu lesen, sich die Scheibe nicht anhören und sich lieber Bands wie Swashbuckle, Alestorm, Running Wild oder ähnliche Konsorten geben. Klar, steht das Piratenthema bei Ye Banished Privateers absolut im Vordergrund, musikalisch bleibt man der Ära aber ebenfalls treu und verwendet quasi keine elektrisch verstärkten Instrumente. Wolle man das Ganze irgendwie einordnen, müsste man das Kind wohl klassischen Folk mit Seemannsthematik nennen, denn die Lieder animieren, aufgrund ihrer beschwingten Rhythmik und klassischen Instrumentalisierung, vor allem dazu, literweise Rum in den Rachen zu kippen und dabei kräftigst das Holzbein zu schwingen. Darüber hinaus taugt das Gedudel auch noch hervorragend zur seichten Hintergrunduntermalung gemütlicher Kaminabende oder eben als akustische Atmosphärenunterstützung in der Taverne eines der zahlreichen Mittelaltermärkte, auf denen sich zu Hauf Volk in ähnlicher Gewandung ansammelt. Da ist es auch kein Zufall, dass die Meute bereits auf zwei Samplern vertreten ist, von denen einer vom MPS 2014 stammt.
Für meinen persönlichen alltäglichen Gebrauch eignet sich "First Night Back In Port", so der Name des aktuellen Albums, nicht, allerdings würde es mich auch nicht stören, hin und wieder einmal einen Shanty aufzulegen und einen Humpen Met dabei zu leeren, denn als gut gemachte Alternative zu überkommerzialisierten Seemannsromantikern wie Santiano taugen die schwedischen Freibeuter alle Male. (cl)

7/10