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THE DOGMA: Studiobericht

Auf Einladung der Drakkar Entertainment GmbH machen wir uns am 8. Februar 2007 trotz übelsten Verkehrsbedingungen (Schneesturm und kilometerlange Staus) auf den weiten Weg nach Hagen (insgesamt knapp 500 km) ins legendäre Woodhouse Studio, um an einer exklusiven Pre-Listening-Session teilzunehmen und elf Wochen vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin schonmal ein Ohr in das neue THE DOGMA-Album "A Good Day To Die" zu riskieren.

Das Studio

Das Woodhouse Studio im Herzen von Hagen existiert bereits seit über 25 Jahren und ist im Metal- und Rock-Bereich eine der Top-Adressen in Europa und Übersee.
Studiobesitzer und Produzent Siggi Bemm (der international unter dem Pseudonym Dan Diamond arbeitet) wird nicht selten als "Germany's answer to Rick Rubin" oder "The Marilyn Manson of Producers" bezeichnet.
Der Liste der Bands, die ihre Scheiben im Woodhouse Studio aufgenommen haben, liest sich wie ein who is who: Angel Dust, Caliban, Flowing Tears, Farmer Boys, Kreator, The Kovenant, Liv Kristine, Lacuna Coil, Moonspell, Rotting Christ, Tiamat, Theatre of Tragedy - um nur die Wichtigsten zu nennen.

Das Herzstück des Studios

Die Band

Die besten Anekdoten schreibt doch immer wieder das Leben selbst: Eine derart ungewöhnliche Entstehungsgeschichte wie die von The Dogma musste wohl fast zwangsläufig zu einer höchst eigenständigen und vorzüglichen Band führen. So bunt und aussergewöhnlich wie die Musik auf ihrem Debütalbum "Black Roses", auf dem die Italiener traditionellen Heavy Metal mit progressiven Versatzstücken und einer Spur Melancholie verbinden und ihren zehn Songs mittels zusätzlicher Orchester-Parts und elektronischer Keyboard-Kaskaden ein modernes und aussergewöhnliches Flair verleihen, so farbenfroh ist auch ihre bisherige Laufbahn. Was also ist im Vorfeld passiert, was genau hat diese fünf Musiker und ihre unterschiedlichen Vorlieben zusammengeführt?

Sollte man von Zufall oder Fügung sprechen? Waren gar höhere Mächte am Werk, die dafür gesorgt haben, dass sich diese ungleichen Individualisten getroffen haben? Gitarrist Cosimo Binetti jedenfalls wäre heute wohl kaum in der Lage, ein solch starkes Debütalbum wie "Black Roses" zu präsentieren, hätte er nicht bei der Beerdigung eines Freundes zufällig den Sänger Daniele Santori kennengelernt, der auf dem Friedhof arbeitete. "Daniele sah, wie bestürzt ich war und wollte mich trösten", erinnert sich Binetti. "Wir kamen ins Gespräch und stellten fest, dass wir beide Musiker sind. So entstand die Idee, etwas gemeinsam auszuprobieren." Richtig Schwung kam in die Sache, als Binetti wenig später auf der Polizeistation von Ancona den Keyboarder Stefano Smeriglio traf. "Wir beide steckten mächtig in der Klemme, wurden von der Polizei verhört und freundeten uns dabei an", erklärt der Gitarrist mit einem leichten Augenzwinkern und fügt hinzu: "Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle kann ich durchaus dermassen aus der Haut fahren, dass ich es anschliessend mit den Ordnungshütern zu tun bekomme." Bis zu diesem Vorfall war er monatelang von Stadt zu Stadt gereist, dabei von Freunden beherbergt worden und hatte von der Hand in den Mund gelebt. In Ancona schliesslich kam es zu jenen schicksalhaften Begegnungen, die aus Binetti, Santori und Smeriglio ein Komponistenteam machte. Mit Marco Bianchella, dem besten Drummer der Stadt, war schnell ein geeigneter Taktgeber gefunden. Bassist Steve Vawamas wiederum ist ein alter Freund Binettis und komplettierte die Band, die sich ungewöhnlich schnell zu einer eingeschworenen Gemeinschaft entwickelte.

Ihre ersten Shows spielten The Dogma bereits im Sommer 2001, seither folgten etwa 50 weitere Konzerte, bei denen die junge Formation die Reife und Erfahrung für ihr erstes Album erwerben konnte. 2002 erschien das erste Demo und verkaufte sich per Mailorder vor allem in Deutschland erstaunlich gut. Kein Wunder also, dass schnell Plattenfirmen auf The Dogma aufmerksam wurden. Den Zuschlag bekam Drakkar Entertainment, auch weil die Musiker von Beginn an spürten, dass hier professionelle Unterstützung und die Leidenschaft für Musik in einer perfekten Balance vorhanden sind. Im Sommer 2005 schickte Drakkar die Band ins Woodhouse Studio nach Hagen, um dort mit Hilfe von Sound-Papst Siggi Bemm ihr Erstwerk einzuspielen. Da sich unglücklicherweise unmittelbar vor dem ersten Aufnahmetag Schlagzeuger Marco Bianchella bei einem Autounfall das Knie schwer verletzte, drohte die Studiosession kurzzeitig zu platzen. Doch die Plattenfirma wusste Rat: Sie bat Mike Terrana (Ex-Rage, Masterplan) um spontane Hilfe, der in Rekordtempo die rhythmisch aufwendigen Tracks eintrommelte. "Die Basis der Grooves wurde von Bianchella festgelegt, doch natürlich konnte Terrana seine ganz eigene Note einbringen", ist Binetti mächtig stolz auf die Zusammenarbeit mit dem Ersatzmann.

Soll man ein Resümee ziehen? Kann man überhaupt einen Newcomer schon so früh rundum beurteilen? Ja, man kann, und man sollte es in diesem Fall unbedingt tun. Denn derart reif und überzeugend wie The Dogma mit ihrem Debüt "Black Roses" hat sich schon lange keine neue Metal-Formation mehr zu Wort gemeldet. Das Beste daran aber ist: Die Band ist jederzeit in der Lage, ihre Extravaganz auch auf der Bühne überzeugend zu präsentieren. Schon im Frühjahr 2006 werden Daniele Santori, Cosimo Binetti, Stefano Smeriglio, Steve Vawamas und Marco Bianchella auf Europatournee gehen. Man sollte sich also diese fünf Musiker gut merken. Noch einfacher allerdings wäre es, einfach ihre gemeinsame Band im Gedächtnis abzuspeichern.

(Text: Drakkar Entertainment GmbH)

Cosimo Binetti (li.) und Daniele Santori (re.)

Die gehörten Songs von "A Good Day To Die"

A Good Day To Die
Der Opener des Album entpuppt sich nach seinem Piano-Intro gleich als amtlicher Rocker, dessen Ohrwurm-Refrain fast schon locker-poppig daherkommt.

In The Name Of Rock
Ungewöhnlich elektronisches Intro, aber danach geht's mit einem fetten Gitarrenriff ordentlich zur Sache. Die Chöre im Refrain machen den ohnehin schon grandiosen Refrain zu einer wahren Rockhymne, die ihre Eingängigkeit irgendwo aus der Ecke KISS/Twisted Sister haben dürfte.

Bitches Street
Legt gleich mit Daniele's Gesang los, dessen Genialität sich hier wieder einmal besonders bemerkbar macht. Sehr bombastisches und (dezent) keyboardlastiges Stück. Kommt in bester Edguy-Manier daher.

She Falls On The Grave
Wunderschönes Intro, jede Menge klassische Chöre - sowohl in den Strophen, als auch im Refrain. Eher im gemässigten Midtempo-Bereich angelegt. Einmal mehr auffallend: Die wirklich beeindruckende Gitarrenarbeit und die perfekt platzierten Tempi-Wechsel.

I Hate Your Love
Besticht wieder einmal durch orchestrale Chorsamples. Erinnert musikalisch hier und da an Nightwish und bietet die bis hierhin stärkste Gitarrenarbeit.

Autumn Tears
Klassisches Klavierintro, sehr ruhige Ballade, die sich im Laufe des Songs steigert, im letzten Drittel in ein typisch balladeskes Gitarrensolo hineinsteigert, um dann wieder genauso ruhig auszuklingen.

Angel In Cage
Amtlicher Midtempo-Rocker mit einer sehr modernen Gitarrenarbeit und einer dezenten Frauenstimme im Refrain.

Back From Hell
Entpuppt sich nach dem "Painkiller"-ähnlichen Intro zum bis hierhin schnellsten Song des Albums. Dürfte sich live zu einem der Headbanger entwickeln. Bombastisch grandioser Ohrwurm-Refrain. Ganz klar mein Favourit!

Ridin' The Dark

Es geht doublebassmässig weiter. Grossartige und druckvolle Schlagzeugarbeit. Ein purer Gute-Laune-Song mit tollen Tempi-Wechseln.

Feel My Pain
Verzerrte Vocals zu Beginn und dann donnern die Gitarren massiv aus den Boxen, mehrfache kurze Breaks innerhalb des Songs und dann wieder diese epischen Chöre, die sich mit Gesang und Gitarre ein packendes akustisches Duell liefern.

Bullet In My Soul
Ballert gleich ordentlich los und verbindet einmal mehr die besten Elemente der Vorgängersongs in sich. Für die nötige Abwechslung sorgt eine männliche Opernstimme.

Christine Closed Her Eyes

Mit ausschliesslich klassischen Streichern untermalte Ballade, die sich irgendwo zwischen Schmachtfetzen und Schnulze bewegt. Schöner Abschluss.

Fazit

Ich bin beeindruckt! Während wir uns im Studio das Album anhörten, gab es für mich ein ums andere Mal Momente der absoluten Begeisterung. Was sich mit dem Debütalbum "Black Roses" schon grob abzeichnete, dürfte am 27. April 2007 mit "A Good Day To Die " einen ersten Höhepunkt erleben.

Wer das erste Album bereits lobte (Metal Hammer: "die Jungs haben das Zeug zur Overnight Sensation", EMP: "man hat selten ein solch starkes Debut gehört", Rock Hard: "der coolste italienische Newcomer seit Monaten!"), dürfe an "A Good Day To Die" seine wahre Freude haben.

Ich bin jedenfalls auf zwei Dinge mächtig gespannt: Erstens, das fertige Produkt endlich in den Händen halten zu dürfen, und zweitens, diese sympathische Band (nach der Lordi-Tour Ende 2006) speziell mit dem neuen Material endlich wieder einmal live sehen zu können.


Text & Fotos: Marco Zimmer