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WACKEN: Im Februar

Urlaub!
Ist immer gut.
Die meisten Metalheads nutzen diesen für intensive Festival-Erfahrungen, z.B. um alljährlich nach Wacken zu fahren. Cool. Dann mache ich das doch einfach - bloß sechs Monate vorher! Wir schreiben den 5. Februar 2008, als ich mich morgens mit meiner Herzallerliebsten auf nach Schleswig-Holstein mache. Kein Zelt, kein Bier und das Auto nicht mal ansatzweise bepackt. Ist ja auch alles nicht nötig. Denn nach dem Verlassen der Autobahn gibt es keine Staus (kein einziges Auto in Sicht) und auch keine Polizeikontrolle. Herrliche ländliche Idylle. Das Ortsschild erscheint ziemlich neu (warum wohl ...) und der Parkplatz beim Supermarkt ist nicht mal halb voll. Komisch, es ist so ruhig hier ...

Die Zufahrt zum "Festivalgelände" ist schnell gefunden und im Auto machen Sätze wie "Weißt Du, von hier aus kann man das und das sehen!" die Runde. Nun sind wir da, passieren die berühmte Kreuzung ...

... und stehen nun wirklich auf dem vielleicht skurrilsten und zugleich bekanntesten Metal-Festivalgelände der Welt. Wir sind in Wacken! Doch dort, wo es nach spätestens drei Tagen nach Schweiß, Bier und gehörig Metal riecht, steigt uns als Erstes der Geruch von Schweinegülle in die Nase. Ach ja - halbes Jahr vorher. Da muss sogar der Wacken-erprobte Riechkolben erstmal mit klarkommen. Der erste Rundblick ist schnell gemacht und wir erinnern uns, wo denn sonst alles so zu finden ist.

Zugegeben, es macht sich wirklich ein Gefühl von Euphorie breit, die auch noch anhält als wir den "Eingang" passieren (ohne Wartezeit und Abtasten versteht sich) und der Weg zu den Hauptbühnen leider durch einen selbst angelegten Entwässerungsgraben versperrt ist. Macht nix. Die erspähten Stromkästen lassen die enorme Technik erahnen, die hier im August versorgt werden will. Derweil baut sich vor unserem geistigen Auge schon der Merchandising-Stand auf. Wie geil - mehr Metal geht fast nicht!

Aber richtig spannend wird es erst beim Rückweg zum Auto, wo wir einen kleinen Bogen über das Biergartengelände drehen, wo letztes Jahr u.a. Mambo Kurt die Festivalbesucher mit seiner Orgel in Extase versetzte.

Während nämlich auf den später besichtigten Campingbereichen alles frisch eingesäht ist und kein Krümel Dreck in Sicht ist, findet sich auf dem Festivalvorplatz doch so manche Wacken-Reliquie, die im Festivalbetrieb zwar an der Tagesordnung wäre, jetzt aber in dieser Situation zu teils erregten Begeisterungsstürmen führt. Neben einer Zaunverankerung, diversen Behältnissen für alkoholische Getränke (ohne Fotos - dafür gibt nun wirklich genug Werbung) und sogar einer Zahnbürste (!) findet sich ein immer nützliches Schreibgerät ...

... und zwei zusammengehörende Teile eines original W:O:A-Bierbechers. Kult!

Doch den Vogel schießt selbstverständlich meine mitgereiste bessere Hälfte ab. Dass auf dem W:O:A Unmengen an Geld umgesetzt wird, ist klar wie Korn. Und dass so mancher Metalhead im Gedränge oder auch im Rausch mal die eine oder andere Münze verliert, bleibt wahrscheinlich nicht aus. Da müsste doch noch was zu holen sein, lasse ich verlauten. Das wird von ihr postwendend mit einem "Überleg mal, wie viele Leute hier schon drüber sind!" quittiert und in der nächsten Sekunde durch ein völlig verdutztes "Nein!? Guck mal!" getoppt. Darf ich vorstellen:

Da fehlen mir wirklich die Worte. Und da sage noch einer, ein Besuch in Wacken lohne sich nicht. Auch ein halbes Jahr vorher. Schaut es euch mal an. Es ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis - wenn auch der etwas anderen Art. Irgendwie fühlten wir uns in der vergangenen halben Stunde fast wie zu Hause. Tschau Wacken, wir sehen uns bald wieder!


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp