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WHIPLASH: Listening Session

(v.l.: Richard Day, Joe Cangelosi, Tony Portaro)

Durch einen glücklichen Zufall führt mich mein Weg am Samstag, den 18. April 2009 nach Berlin ins kleine aber feine Music Lab Studio von Produzent Harris Johns (u.a. Sodom, Kreator, Tankard, Grave Digger). Dort soll nämlich das neue WHIPLASH-Album "Unborn Again" (VÖ: Mitte Juli) gemischt werden und mega-metal.de darf der Listening-Session beiwohnen.

Am späten Nachmittag sind die Recordings fast abgeschlossen und ich betrete das Studio, als Bandkopf Tony Portaro die letzten Noten mit einer 12-Saitigen einspielt. Anwesend sind Harris Johns, Bassist Richard Day, Drummer Joe Cangelosi, eine junge Dame, die sich kurze Zeit später als Freundin von Tony Portaro herausstellt, und Frank Blackfire (ex-Sodom/Kreator), der auch seinen Beitrag zur Platte lieferte.
Man lernt sich kennen, plauscht schon mal über ein paar Einzelheiten und Joe Cangelosi hat zwischendurch einen irren Spaß daran, den mega-metal.de-Vertreter mit laufender Kamera zu interviewen. Das war eigentlich anders geplant ...

Nach einem kurzen Imbiss und dem ersten Bier, soll nun die Musik sprechen. Die Reihenfolge der Tracks ist zwar noch nicht festgelegt, da sie die Band selbst noch nicht mal alle am Stück gehört hat, aber sicher ist jedenfalls der Opener zu "Unborn Again". Los geht's:

Swallow The Slaughter
Nicht nur, dass der Titel ein Auszug aus dem "Ticket To Mayhem"-Song "Walk The Plank" darstellt, er hätte auch locker dort vertreten sein können. Joe Cangelosi setzt mit treibender Doublebass ein, ein Killer-Riff folgt und Tony Portaro singt ungewöhnlich melodisch. Schlimm? Nein, man erkennt seine Stimme sofort und "singen" hat hier nix mit "verweichlichen" zu tun. Der Chorus mit klassischen Thrash-Offbeats bleibt schnell hängen und die Background-Shouts verleiten sofort zum Mitmachen. Ja, das sind Whiplash!

Snuff
Textlich mit Bezug auf das "Red Bomb"-Thema, geht's hier tempomäßig flott zur Sache. Die Gitarren gehen direkt mit dem Takt und Tony Portaro klingt passend zum Text leicht hysterisch. In der Mitte werden dem geneigten Banger kräftige Old School Riffs in die Lauscher geblasen.

I Got The Fire
Die erste Cover-Version auf einem Whiplash-Album. Im Original von Montrose, aber auch schon von Iron Maiden gecovert. Hier zeigt Drummer Joe Cangelosi, dass er auch vokal was auf dem Kasten hat und klingt wie eine heisere Version seines Frontmanns. Cooler Song - einfach "ge-whiplash-ed".

Feeding Frenzy
Classic! Nach drei Sekunden hört man sofort, welche Band hier spielt. Ein Whiplash-Thrasher par excellence. Ein dezentes "The Burning Of Atlanta"-Gefühl kommt auf. Der Refrain nimmt mit mächtigen Doublebass kurz das Tempo aus dem Song, damit sich der Hörer auf das Mitshouten konzentrieren kann. In der Mitte werden noch ein paar mächtige Riffs in Slow-Motion kredenzt.

Pitbulls In The Playground
Und wieder ein klassischer Offbeat-Headbanger, der in seiner Machart dieses Mal etwas eher an "Power And Pain" erinnert und wie schon bei "Swallow The Slaughter" mit weiten Powerchords den Chorus schön atmen lässt. Ein knackiger Moshpart in der Mitte und ein sehr schickes Gast-Solo von Frank Blackfire runden einen weiteren erstklassigen Track ab.

A Parade On Two Legs
Ein Instrumental auf Basis eines Riffs, "dass wir damals bei Kreator nicht verwendet haben. Warum, weiß ich auch nicht mehr." (O-Ton: Joe Cangelosi). Wie es sich für ein Instrumental gehört, dürfen auch mal etwas vertracktere Rhythmen einbezogen werden. Der Anfang erinnert mich lustigerweise entfernt an Venom's "In League With Satan".
Tony Portaro legt noch schelmisch nach: "Wir hatten schon Texte und Melodien für den Song, aber das war dann nicht mehr im Budget." Nee, is' klar, Tony ...

Float Face Down
Alles geht blitzschnell: Ein schniekes Bass-Intro, der groovende Black Sabbath-artige Beginn und ein klassisches Portaro-Riff, welches wieder in einen treibenden Offbeat mündet. Textlich bewegt er sich in der Fortführung des "Walk The Plank"-Themas. Thrash kann so herrlich sein!

Fight Or Flight
Das Tempo wird gedrosselt und das Trio groovt richtig stark durch die Bude. Ungewohnt, aber Whiplash. Auffallend sind die coolen Basslinien von Richard Day, die dem Chorus noch mehr Aufmerksamkeit zu Teil werden lassen. Recht so!

Hook In Mouth
Hier also der Song, zu dem wir beim Betreten des Studios die Akustik-Aufnahmen miterleben durften. Klingt am Stück richtig gut und sehr passend. Der Song hat schon eine hörbare Black Sabbath-Basis - speziell das leichte Seventies-Feeling in den Strophen - aber beim Refrain darf dann in der Live-Situation das Publikum gerne mithelfen.

Firewater

Und noch mal die Siebziger. Der Groove ist noch dynamischer als zuvor. Man hat zuweilen das Gefühl, als wäre der Song direkt aus einer Jam-Session entstanden. Auch hier schreien wir gerne wieder mit ... "FiiireWATER!"

Ganz nebenbei bekomme ich noch das Cover zu "Unborn Again" zu sehen, welches einer dunkleren Abwandlung von "Ticket To Mayhem" gleichkommt, trotzdem aber Elemente der ersten drei Whiplash-Alben in sich birgt. Verantwortlich dafür ist kein Geringerer als Cover-Legende Ed Repka (u.a. Death, Evildead, Megadeth).

Fazit:
Hier und da fehlen noch ein paar Samples und beim Probehören waren sich Produzent und Band manchmal nicht ganz sicher, ob da gerade "die richtige Gesangslinie" (O-Ton: Tony Portaro) läuft, aber eines ist jedenfalls sicher: "Unborn Again" zeigt die Band vielschichtiger denn je, aber das Trio muss sich selbst und niemand anderem etwas beweisen und genau aus diesem Grund klingt das Gehörte zu jeder Sekunde nach Whiplash.
Thrash-Herz - was willst du mehr!?


Siegried Wehkamp